Der Robotik-Anbieter Robbyant hat auf der IFA 2025 den humanoiden Service-Roboter R1 vorgestellt. Das System kombiniert autonome Navigation, KI-gestützte Interaktion und einen humanoiden Aufbau mit beweglichen Armen. Laut den gezeigten Unterlagen richtet sich die Plattform an Einsatzbereiche wie Gastronomie, Empfangs- und Informationsdienste, Tour-Guides sowie Telepräsenz-Anwendungen.
Der R1 setzt auf ein multimodales Interaktionssystem, das Sprache, Bildverarbeitung und Gestik miteinander verbindet. Zur Ausstattung gehören ein 360-Grad-Mikrofon-Array, Stereo-Tiefenkameras, ein Display für Mimik und Gesichtsausdrücke sowie Lautsprecher für die Sprachkommunikation. Optional lässt sich ein Touchscreen integrieren.
Fokus auf Mensch-Maschine-Interaktion
Im Zentrum der Plattform steht die möglichst natürliche Kommunikation mit Menschen. Das Display im Kopfbereich stellt verschiedene Gesichtsausdrücke dar und soll Interaktionen intuitiver gestalten. Die Kameraeinheiten dienen der Objekterkennung, der Lokalisierung und der Umgebungswahrnehmung. Gleichzeitig verarbeitet das System Sprachbefehle in mehreren Sprachen.
Robbyant beschreibt den R1 als eine Kombination aus KI-basierter Wahrnehmung und einem Steuerungssystem, das auf simulierten sowie realen Daten trainiert wurde. Dadurch sollen Reaktionszeiten im Millisekundenbereich erreicht und Aufgaben dynamisch neu priorisiert werden können.
Technische Daten des R1
Die Plattform verfügt über einen humanoiden Oberkörper mit zwei Armen und mehrgliedrigen Greifhänden. Insgesamt bietet das System laut Hersteller 34 Freiheitsgrade. Die einzelnen Hände verfügen über sechs Freiheitsgrade, während jeder Arm sieben Freiheitsgrade besitzt.
Zu den wichtigsten technischen Eckdaten gehören:
- Höhe: 1,60 bis 1,75 Meter
- Gewicht: rund 110 Kilogramm
- Maximale Geschwindigkeit: bis 1,5 m/s
- Akkulaufzeit: etwa fünf Stunden
- Batterie: 48 V, 30 Ah LiFePO4
- Traglast pro Arm: 3 kg bei regulärem Betrieb, maximal 5 kg
Der mobile Unterbau dreht sich um 360 Grad und ermöglicht autonome Navigation. Laut den Unterlagen kommen KI-gestützte Verfahren zur Hinderniserkennung und zur Bewegungsplanung zum Einsatz.
Einsatz in Gastronomie und Service
Ein gezeigtes Anwendungsszenario trägt die Bezeichnung „The ChefZ“. Dabei übernimmt der Roboter Aufgaben in der Essenszubereitung. Nach Herstellerangaben verwaltet ein einzelner Roboter zwei Kochstationen gleichzeitig und bereitet Speisen weitgehend automatisiert zu.
Als Vorteile nennt Robbyant standardisierte Prozesse, eine gleichbleibende Qualität sowie einen durchgängigen Betrieb mit automatischer Aufladung bei niedrigem Akkustand. Zudem sollen mehr als 1.000 Rezeptvarianten unterstützt werden.
Für die Gastronomie dürfte vor allem die Kombination aus mobiler Plattform, Greifarmen und KI-gestützter Interaktion interessant sein. Ähnliche Konzepte werden derzeit weltweit getestet, um Personalengpässe in Service- und Küchenbereichen teilweise zu kompensieren.
Tour-Guide und digitale Assistenz
Ein weiteres Szenario sieht den Einsatz als Tour-Guide-Roboter vor. Der R1 begleitet Besucher durch Gebäude, zeigt Informationen auf dem Display an und beantwortet über Sprachinteraktion Fragen.
Durch die Kombination aus Navigation, Bildschirm und Sprachsystem eignet sich die Plattform für Messen, Einkaufszentren, Flughäfen oder Unternehmensstandorte. In diesen Umgebungen lassen sich Aufgaben übernehmen, die bisher von Informationsschaltern oder Empfangspersonal erledigt werden.
Telepräsenz und Fernsteuerung
Neben den autonomen Funktionen unterstützt der R1 auch Teleoperations-Szenarien. Gezeigt wurde eine Lösung, bei der Bediener den Roboter über ein Head-Mounted-Display und Bewegungshandschuhe aus der Ferne steuern.
Laut Hersteller kommen dabei Verfahren zur Latenzkompensation und zur Echtzeitübertragung zum Einsatz. Solche Systeme werden unter anderem für industrielle Anwendungen, Fernwartung, Ausbildungsszenarien oder potenziell auch für medizinische Assistenzlösungen erforscht.
Robotik wird zunehmend alltagstauglich
Der R1 zeigt einen Trend, der auf der IFA 2025 an mehreren Ständen sichtbar war: Robotik entwickelt sich von spezialisierten Industrieanlagen hin zu Systemen, die direkt mit Menschen interagieren. Moderne KI-Modelle, leistungsfähige Sensorik und günstigere Hardware machen Anwendungen möglich, die vor wenigen Jahren noch überwiegend Forschungsprojekten vorbehalten waren.
Mit dem R1 positioniert sich Robbyant in einem Marktsegment zwischen Service-Robotik, humanoiden Assistenzsystemen und Telepräsenzlösungen. Ob sich solche Systeme in größerem Maßstab durchsetzen, dürfte vor allem von den Betriebskosten, der Zuverlässigkeit und dem praktischen Nutzen im Alltag abhängen.
