Am 20. Juli 2021 reichte das California Department of Fair Employment and Housing (DFEH) Klage gegen Activision Blizzard ein, einen Tag später machte die kalifornische Behörde den Schritt öffentlich. Vorgeworfen werden dem Publisher systematische Lohndiskriminierung, geschlechtsbezogene Benachteiligung und sexuelle Belästigung weiblicher Beschäftigter. Eingereicht wurde die Klage am Los Angeles Superior Court, gestützt auf eine rund zweijährige Untersuchung. Als Rechtsgrundlage dient unter anderem das mit Senate Bill 973 zum 1. Januar 2021 erweiterte Mandat des DFEH zur Durchsetzung des kalifornischen Equal Pay Act. Ältere Diskussionen rund um Activision Blizzard hatten sich bislang vor allem um Spiele und Plattformfragen gedreht.
Vorwürfe und behauptete Unternehmenskultur
Kern der Klageschrift ist der Vorwurf einer sogenannten frat boy culture, also einer Arbeitsumgebung, die von maennlich geprägten Verhaltensmustern bestimmt sei. Das DFEH beschreibt regelmäßigen Alkoholkonsum am Arbeitsplatz und anzuegliche Kommentare gegenüber Kolleginnen. Hinzu kommen als cube crawls bezeichnete Vorfälle, bei denen sich alkoholisierte maennliche Beschäftigte unangemessen gegenüber Mitarbeiterinnen verhalten hätten. Die Klage nennt zudem Beschwerden über sexuelle Anspielungen bis hin zu Scherzen über Vergewaltigung. Die Belegschaft besteht laut Behörde zu rund 80 Prozent aus Maennern, was nach Darstellung des DFEH ein feindseliges Umfeld für weibliche Beschäftigte mit befoerdert habe.
Die Klageschrift führt darüber hinaus den Suizid einer Mitarbeiterin auf einer Firmenreise im Jahr 2017 an. Die Frau habe zuvor intensive sexuelle Belästigung erfahren. Auf einer Firmenfeier sollen unter anderem intime Fotos der Beschäftigten herumgereicht worden sein. Das DFEH zählt diesen Fall zum beschriebenen Gesamtbild eines unzureichend kontrollierten Arbeitsumfelds.
Lohn- und Aufstiegsdiskriminierung
Neben den Belästigungsvorwürfen geht es um die Bezahlung. Nach Darstellung des DFEH wurden Frauen durchgängig schlechter bezahlt und erhielten geringere Aktien- und Bonuszahlungen als maennliche Kollegen, und das bereits ab der Einstellung und über die gesamte Beschäftigungsdauer hinweg. Befoerderungen seien für Frauen schwerer zu erreichen gewesen, in einzelnen Fällen sei ein Aufstieg mit Verweis auf eine mögliche Schwangerschaft verweigert worden. Das zweistellige prozentuale Wachstum, die Milliardenumsaetze und juengere Diversity-Marketingkampagnen des Konzerns hätten an diesen Zuständen wenig geändert, so die Behörde.
Activision Blizzard wies die Vorwürfe in einer ersten Stellungnahme zurück und nannte die Darstellung nicht zutreffend für die aktuelle Unternehmenskultur. Die Pressemitteilung der Behörde trägt den Titel DFEH Sues California Gaming Companies for Equal Pay Violations, Sex Discrimination, and Sexual Harassment. Zu finden ist das Dokument unter dem im ersten Absatz verlinkten offiziellen Auftritt des DFEH.