Auf der Game Developers Conference 2019 hat Microsoft im März angekündigt, die Dienste von Xbox Live über leicht einzubindende SDKs auch für Spiele auf Android und iOS zu öffnen. Der Identitäts- und Community-Dienst löst sich damit von der bisherigen Bindung an Konsolen und Windows-PCs. Begleitet wurde der Schritt vom Entwickler-Framework Game Stack, das auf derselben Veranstaltung Premiere feierte.
Worum es im Kern geht, ist Reichweite. Bislang erreicht Xbox Live nach Angaben des Konzerns rund 400 Millionen Xbox- und PC-Geräte und zählt mehr als 68 Millionen aktive Spieler. Mit den mobilen Plattformen kommt ein potenzieller Bestand von über zwei Milliarden Geräten dazu. Dass der Dienst nun auf fremder Hardware laufen soll, passt zur Linie von Phil Spencer, der Xbox Live länger schon als plattformübergreifende Infrastruktur und nicht als reines Konsolenmerkmal verstanden wissen will.
Was das SDK in mobile Spiele bringt
Entwickler bekommen über das SDK eine ganze Reihe bekannter Xbox-Live-Bausteine in ihre mobilen Titel: Achievements, Gamerscore, Freundeslisten, Club-Mitgliedschaften und die sogenannten Hero-Statistiken. Das Herzstück ist die Identitätsschicht, die Login, Datenschutz, Jugendschutz und die Verwaltung von Kinderkonten abdeckt. Eine eigene Konten- und Sicherheitsinfrastruktur muss kein Studio mehr von Grund auf bauen, was vor allem kleinen Teams viel Arbeit erspart.
Die Einbindung funktioniert a la carte: Studios picken sich die Funktionen heraus, die sie wirklich brauchen. Als Beispiel nannte Microsoft die Zusammenarbeit mit StudioMDHR, in deren Rahmen Xbox-Live-Funktionen per Update in die Nintendo-Switch-Fassung von Cuphead wandern sollten. Die SDK-Strategie endet also nicht bei Smartphones und Tablets, sondern greift auch auf andere Geräteklassen über.
Xbox Live als Teil von Game Stack
Die Öffnung gehört zu Game Stack, das Microsoft als Bündel aus Entwicklungswerkzeugen und Diensten präsentierte. Darin stecken unter anderem Xbox Live, PlayFab, diverse Azure-Dienste und die Visual-Studio-Werkzeuge. Aus einem konsolengebundenen Abonnementmerkmal wird so eine dienstbasierte Plattform, die der Konzern seinen Studios unabhängig vom Zielsystem anbietet.
Kosten für die Nutzung von Xbox Live auf mobilen Geräten fallen laut Microsoft nicht an, und eine Vorab-Zertifizierung ist ebenfalls nicht nötig. Die offiziellen Angaben zum erweiterten ID@Xbox-Programm sind im Xbox-Wire-Beitrag zur GDC 2019 zu finden. Ein konkretes Datum für die breite Verfügbarkeit der SDKs nannte das Unternehmen zum Ankündigungszeitpunkt nicht, sprach aber von einer schrittweisen Öffnung für weitere Entwickler.