GameStop bietet 55,5 Milliarden US-Dollar für eBay

GameStop hat ein nicht bindendes Übernahmeangebot für eBay vorgelegt. Der US-Händler bietet 125 US-Dollar je eBay-Aktie, zahlbar je zur Hälfte in Bargeld und GameStop-Aktien. Das Angebot bewertet eBay auf Basis der zuletzt veröffentlichten unverwässerten Aktienzahl mit rund 55,5 Milliarden US-Dollar. GameStop zufolge entspricht der Preis einem Aufschlag von 46 Prozent auf den unbeeinflussten Schlusskurs vom 4. Februar 2026, dem Tag, an dem das Unternehmen mit dem Aufbau seiner Position bei eBay begonnen haben will.

GameStop hält nach eigenen Angaben inzwischen rund fünf Prozent an eBay, teils über Derivate und teils über wirtschaftlich zurechenbaren Aktienbesitz. Die Finanzierung soll aus vorhandenen Barmitteln und liquiden Anlagen sowie externer Akquisitionsfinanzierung bestehen. Zum 31. Januar 2026 beziffert GameStop die eigenen liquiden Mittel auf rund 9,4 Milliarden US-Dollar. Zusätzlich liege eine sogenannte „highly confident“-Finanzierungszusage von TD Securities über bis zu 20 Milliarden US-Dollar vor.

Cohen sieht eBay als Plattform für Kostensenkungen und stationäre Infrastruktur

Ryan Cohen, Chairman und CEO von GameStop, soll im Fall einer erfolgreichen Transaktion die Führung des kombinierten Unternehmens übernehmen. GameStop begründet den Vorstoß unter anderem mit aus Sicht des Unternehmens zu hohen Kostenstrukturen bei eBay. Vorgesehen sind laut Mitteilung jährliche Einsparungen von rund zwei Milliarden US-Dollar innerhalb von zwölf Monaten nach Abschluss. Davon sollen etwa 1,2 Milliarden US-Dollar aus Sales und Marketing, 300 Millionen US-Dollar aus Product Development sowie 500 Millionen US-Dollar aus Verwaltung und allgemeinen Unternehmensfunktionen stammen.

Neben Kostensenkungen stellt GameStop die eigene stationäre Infrastruktur als strategisches Argument heraus. Die rund 1.600 US-Filialen könnten demnach als Netz für Authentifizierung, Warenannahme, Fulfillment und Live-Commerce genutzt werden. Damit würde GameStop versuchen, eBays Marktplatzgeschäft stärker mit physischen Touchpoints zu verbinden. AP berichtet zudem, eBay habe das unaufgeforderte Angebot bestätigt und angekündigt, der Verwaltungsrat werde es gemeinsam mit Beratern prüfen.

Marktreaktion und offene Fragen

Die geplante Transaktion ist nicht bindend und bleibt von mehreren Bedingungen abhängig. Dazu gehören unter anderem eine mögliche Einigung mit eBay, die Finanzierung, regulatorische Freigaben sowie gegebenenfalls Zustimmungen der Aktionäre. GameStop verweist in der eigenen Mitteilung ausdrücklich darauf, dass bislang kein Zugriff auf die Bücher und Unterlagen von eBay bestanden habe und die Aussagen zu eBay auf öffentlich verfügbaren Informationen beruhen.

Die Größenordnung des Angebots ist bemerkenswert, da eBay an der Börse deutlich höher bewertet ist als GameStop. The Guardian nennt für eBay eine Marktkapitalisierung von rund 46 Milliarden US-Dollar und für GameStop rund 12 Milliarden US-Dollar. Das Angebot würde GameStop damit in eine deutlich größere Unternehmensstruktur führen und den Konzern weit über das bisherige Kerngeschäft mit Videospielhandel, Gebrauchtsoftware, Hardware, Zubehör und Sammlerartikeln hinaus verschieben.

Für die Games- und Handelsbranche wäre eine Übernahme vor allem deshalb relevant, weil GameStop damit von einem spezialisierten Retailer zu einem breiteren Marktplatz- und Handelsunternehmen umgebaut würde. eBay ist bereits in Kategorien wie Elektronik, Collectibles, Trading Cards, Gaming-Hardware und Second-Hand-Produkten präsent. GameStop könnte diese Segmente mit der eigenen Retail-Infrastruktur und der bestehenden Gaming-Zielgruppe verbinden. Ob daraus ein tragfähiger Wettbewerber gegen Amazon entstehen kann, hängt jedoch weniger vom Angebotspreis als von Finanzierung, Integration, regulatorischer Prüfung und der operativen Umsetzung der angekündigten Einsparungen ab.

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