Mike Rose: Indie-Entwickler verlangen zu wenig für ihre Steam-Spiele

No More Robots-Gründer Mike Rose hat im September 2019 einen Bericht zu PC-Spielverkäufen auf Steam veröffentlicht, der in der Indie-Entwicklerszene breite Diskussionen auslöste. Rose untersuchte dafür Titel, die zwischen dem 5. Juli und 6. August 2019 auf Steam erschienen waren, und filterte AAA-Titel sowie Ausreißer heraus. Zurück blieben rund 170 Spiele mit mindestens zehn Nutzerrezensionen, für die er öffentlich verfügbare Daten wie Review-Zahlen, Steam-Gruppen-Mitgliedschaften und Preise auswertete.

Das Ergebnis ist eindeutig: Das durchschnittliche Spiel in diesem Zeitraum verkaufte sich 1.500 Mal und erzielte im ersten Verkaufsjahr etwa 16.000 US-Dollar Erlöse. Im Vergleichszeitraum 2018 lagen die Zahlen bei 5.000 Einheiten und 30.000 US-Dollar. Das entspricht einem Rückgang von rund 70 Prozent bei den Stückzahlen und 47 Prozent bei den Erlösen.

Rose führt diesen Einbruch auf mehrere Faktoren zurück: ein steigendes Angebot an kostenlosen Titeln wie Fortnite oder Apex Legends, eine wachsende Gesamtzahl an Neuveröffentlichungen sowie Abo-Dienste, die den wahrgenommenen Wert einzelner Spiele senken. Hinzu kommt ein struktureller Preistrend: Das durchschnittliche Spiel kostete 2018 noch 12 US-Dollar, 2019 nur noch 10 US-Dollar. Rose sieht darin einen entscheidenden Fehler der Entwickler.

Höhere Preise, bessere Erlöse

Die Daten der Analyse zeigen einen klaren Zusammenhang zwischen Preis und Erlös. Spiele unter 10 US-Dollar verkauften im Median 1.000 Einheiten und erzielten 6.000 US-Dollar Erlöse. Bei Titeln über 20 US-Dollar lagen die Werte dagegen bei durchschnittlich 5.000 Einheiten und 200.000 US-Dollar Erlösen. Rose schließt daraus, dass ein niedrigerer Preis die Verkaufszahlen nicht steigert, aber den Gesamtertrag stark mindert.

Für Indie-Entwickler zieht Rose klare Konsequenzen: Spiele müssen ihren tatsächlichen Wert widerspiegeln, auch wenn die Versuchung besteht, durch niedrigere Preise mehr Käufer zu gewinnen. Einen wirtschaftlichen Hintergrund zu No More Robots als Publisher lieferte bereits der Bericht über den Umsatzmeilenstein des Studios vom Juli 2019, in dem Rose öffentlich machte, dass das Label bereits mehr als drei Millionen US-Dollar Lebzeitumsatz erreicht hatte, davon über 66 Prozent über Steam.

Neben der Preisgestaltung nennt Rose zwei weitere Stellschrauben: Marketing und Community-Aufbau. Ein Spiel, das sich nicht aktiv vermarktet, erreiche selbst bei gutem Inhalt kaum Käufer. Wer gezielt eine Spieler-Community aufbaut und den Preis nicht künstlich senkt, hat nach Roses Analyse eine realistisch höhere Chance, in das obere Segment der Steam-Veröffentlichungen aufzusteigen.

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