Der Entwickler mit dem Pseudonym s0lly hat den Strategiespielklassiker Civilization von 1991 in der Tabellenkalkulation Excel nachgebaut. Die Umsetzung trägt den Titel Cellivization und ist als 8,3 Megabyte große XLSB-Datei kostenlos auf itch.io verfügbar. Entstanden ist das Projekt innerhalb von rund einer Woche als Beitrag zum OLC Code Jam 2019 mit dem Thema Zerstörung.
Gespielt wird im Hot-Seat-Modus, zwei Parteien treten als Blau gegen Grün gegeneinander an. Der Trailer auf dem YouTube-Kanal von s0lly zeigt die Benutzeroberfläche aus Excel-Zellen, die Karte und die Einheiten.
Einheiten, Städte und Nebel des Krieges
Die erste Version bringt sieben Einheitentypen mit eigenen Statistiken mit, darunter Siedler, Krieger, Bogenschützen, Schwertkämpfer, Ritter und Katapulte. Über die Zifferntasten 0 bis 6 bauen Städte neue Einheiten, mit b setzt ein Siedler eine neue Stadt. Bewegt wird mit WASD, die Pfeiltasten steuern die Kamera über die Karte. Die Bewegungsgeschwindigkeit hängt vom Untergrund ab, dazu kommen ein großer und ein kleiner Kartenmodus sowie Nebel des Krieges. Gewonnen wird durch die vollständige Zerstörung der gegnerischen Seite, was zum Jam-Motto Zerstörung passt.
Weil die Spiellogik als VBA-Makro in der Arbeitsmappe liegt, müssen Anwender Makros in Excel aktivieren. Das Makro belegt die Steuerungstasten neu, erst mit Escape gibt es sie für Excel zurück. Auf der Projektseite listet s0lly weitere Ausbaustufen auf: ein Computergegner, mehr als zwei Zivilisationen, Ressourcen wie Eisen, Pferde und Gold, Diplomatie, Wissenschaft, Stadtgebäude und Wunder.
Excel als Spielplattform mit Grenzen
Der Download ist 8,3 Megabyte groß und setzt laut Autor ein offizielles Microsoft Excel voraus; unter Office 2007 sowie in Open Office und Google Sheets lief die erste Fassung nicht an. Im Trailer ist zudem ein fast ausgelasteter Prozessor des Typs Core i5-3570K im Taskmanager zu sehen, was den Aufwand der Makro-basierten Spiellogik in der Tabellenkalkulation zeigt.
Solche Umsetzungen sind selten: Meist sind es Actiontitel wie Doom oder Quake, die auf Geldautomaten, Oszilloskopen oder Smartwatches landen. Der Doom etwa läuft auf so unterschiedlicher Hardware. Auch Firaxis nutzte eine Civilization-Demo bereits im März 2019 für einen Technikvorführ zu Variable Rate Shading in DirectX 12. Zu den offiziellen Plattformen des Originals zählen Windows, MacOS, Linux, mobile Geräte und der Amiga. Sid Meier, der Schöpfer des Originals, hatte sich zum Nachbau zunächst nicht öffentlich geäußert.

