Wunderlist: Mitgründer Christian Reber möchte die App von Microsoft zurückkaufen

Christian Reber, Mitgründer von 6Wunderkinder, hat Microsoft-Chef Satya Nadella am 6. September 2019 in einem Beitrag auf Twitter öffentlich aufgefordert, ihm Wunderlist zurückzuverkaufen. Reber schrieb, er meine es ernst, adressierte neben Nadella auch den Microsoft-Manager Marcus Ash und schlug vor, das Team zu behalten und weiter an Microsoft To Do zu arbeiten. Dann werde niemand über die Abschaltung von Wunderlist verärgert sein.

Still sad @Microsoft wants to shut down @Wunderlist, even though people still love and use it. I’m serious @satyanadella @marcusash, please let me buy it back. Keep the team and focus on @MicrosoftToDo, and no one will be angry for not shutting down @Wunderlist.— Christian Reber (@christianreber) September 6, 2019

Hintergrund ist die Übernahme des Berliner Start-ups durch Microsoft im Juni 2015, die der Konzern in einem Eintrag im offiziellen Microsoft-Blog bestätigte; über die Kaufsumme berichteten Fachmedien damals mit 100 bis 200 Millionen US-Dollar. Seit Längerem arbeitet Microsoft daran, Wunderlist zugunsten der eigenen Aufgabenverwaltung Microsoft To Do einzustellen. Die seit 2017 angebotene App ist Teil der Office-365-Suite und synchronisiert Aufgaben mit Outlook-Kalendern. Reber hatte Wunderlist unter anderem zusammen mit Frank Thelen entwickelt.

Die Umstellung von AWS auf Azure als Dauerbaustelle

Dass Wunderlist 2019 weiterhin Aktualisierungen erhielt, hing vor allem am Stand von Microsoft To Do. Die technische Begründung hatte Reber selbst bereits im März 2018 in einem Tweet genannt: Die Wunderlist-API lief zu diesem Zeitpunkt noch auf Amazon Web Services und sollte auf Microsoft Azure umziehen. Der Umbau sei extrem zeitraubend gewesen, am Ende habe praktisch alles neu geschrieben werden müssen. Ursprünglich war geplant, Wunderlist ein Jahr nach dem Start von To Do abzuschalten.

Der Fall berührt die Frage, wie Microsoft mit zugekauften Teams und Produkten umgeht. Ein Vergleich drängt sich bei Bungie auf: Das Studio kehrte 2019 in die Unabhängigkeit zurück, nachdem es sich, wie im Januar 2019 auf XboxDev nachzulesen war, von Activision getrennt und die Destiny-Rechte übernommen hatte. Das Kernprodukt Halo blieb seinerzeit beim Konzern, so wie nun die To-Do-Entwicklung bei Microsoft liegt. Die folgenreichste Übernahme in diesem Umfeld war der abgeschlossene Kauf von Mojang für 2,5 Milliarden US-Dollar, der Microsoft mit Minecraft das meistverkaufte Spiel der Welt sicherte.

Zum Berichtszeitpunkt war Wunderlist weiterhin verfügbar und hatte eine große Fangemeinde. Wie lange die App gepflegt wird, hing am Fortschritt von Microsoft To Do, für das damals kein Abschlussdatum vorlag. Rebers Kaufangebot blieb zunächst ohne offizielle Zusage von Microsoft.

Weitere News

Weitere News

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein