Volt Deutschland fordert leichter zugängliche psychologische Unterstützung für Solo-Selbstständige und Beschäftigte kleiner Games-Studios. In einer schriftlichen Antwort vom 24. Juli 2026 auf Fragen von XboxDev nennt Pressesprecher Jörn Erdmann vertrauliche Erstberatungen, branchenspezifische Präventionsangebote und eine schnellere Vermittlung bei Behandlungsbedarf. Öffentliche Games-Förderung sollte nach Ansicht der Partei außerdem stärker an überprüfbare Arbeitsbedingungen und angemessene Vergütung gebunden werden.
Ausgangspunkt des Austauschs war eine Pressemitteilung zur psychotherapeutischen Versorgung. Die Redaktion fragte anschließend nach den Folgen für Entwicklung, Design, Qualitätssicherung und andere projektbasierte Tätigkeiten. Die Antworten beschreiben politische Vorschläge, keine bereits beschlossenen Leistungen der Krankenkassen oder geltenden neuen Förderbedingungen. Eine konkrete Reform der Krankenversicherungsbeiträge legt Volt darin nicht vor.
Beratung unabhängig vom Arbeitgeber
Prävention sollte aus Sicht der Partei auch Menschen erreichen, die weder eine Personalabteilung noch ein betriebliches Gesundheitsmanagement nutzen können. Erdmann nennt digitale und persönliche Gruppenangebote zu Stress und Erschöpfung, psychosoziale Gesundheitschecks sowie Beratungsangebote für kreative und projektbasierte Berufe. Der Zugang solle einfach, qualitätsgesichert und im Regelfall kostenfrei sein.
Als mögliche Träger beschreibt Volt Zusammenschlüsse von Krankenkassen, Berufsverbänden, Gewerkschaften, Kammern und öffentlichen Stellen. Hochschulen, Coworking-Spaces und Branchenveranstaltungen könnten auf diese Angebote aufmerksam machen. Eine zentrale Anlaufstelle solle vertrauliche oder anonyme Erstberatung ermöglichen und bei Bedarf weitervermitteln. Für Selbstständige regt die Partei auch Termine außerhalb üblicher Bürozeiten an.
Prävention und Erstgespräche gibt es bereits
Die Vorschläge treffen nicht auf ein Versorgungssystem ohne entsprechende Angebote. § 20 SGB V unterscheidet bereits zwischen individueller Prävention, Angeboten in Lebenswelten und betrieblicher Gesundheitsförderung. Präventionsleistungen sind damit nicht grundsätzlich an einen Arbeitgeber gebunden. Daraus folgt allerdings kein pauschaler Anspruch auf jedes von Volt vorgeschlagene Angebot.
Für die Abklärung eines möglichen Behandlungsbedarfs besteht zudem die psychotherapeutische Sprechstunde mit Terminvermittlung über die 116117. Sprechstunde und Akutbehandlung gehören bereits seit der Strukturreform von 2017 zur ambulanten psychotherapeutischen Versorgung. Präventionskurse, psychosoziale Beratung und die Behandlung einer Erkrankung erfüllen jedoch unterschiedliche Aufgaben. Ein Erstgespräch ist nicht gleichbedeutend mit dem Beginn einer längerfristigen Therapie.
Volts Forderung betrifft deshalb insbesondere die Erreichbarkeit und Ausgestaltung der Unterstützung. Wie stark Games-Freelancer bestehende Angebote nutzen und welche konkreten Zugangshürden sie dabei erleben, beziffert die Antwort nicht. Eine branchenspezifische Untersuchung wird darin nicht genannt.
Games-Förderung und Verantwortung der Auftraggeber
Volt sieht wirtschaftliche Unsicherheit, niedrige Vergütung und dauerhafte Mehrarbeit als mögliche Verstärker psychischer Belastungen. Die Partei spricht sich deshalb für eine bessere soziale Absicherung Selbstständiger, transparentere Verträge und stärkere kollektive Interessenvertretungen aus. Bereits zur Bundestagswahl 2025 hatte Volt eine bessere soziale Absicherung von Solo-Selbstständigen in der Games- und IT-Branche gefordert. Für öffentlich geförderte Projekte schlägt sie nun überprüfbare Anforderungen an Arbeitszeiten, Gesundheitsschutz und die Vergütung externer Fachkräfte vor.
Kleine Studios sollen nach dieser Vorstellung Unterstützung bei der Umsetzung erhalten. Förderprogramme sollten realistische Produktionspläne und nachhaltige Beschäftigung begünstigen. Welche Programme konkret geändert werden sollen, wie angemessene Honorare bemessen würden und wer Verstöße kontrollieren sollte, führt Erdmann nicht aus.
Dabei beginnt die Verantwortung von Arbeitgebern nicht erst mit zusätzlichen Förderbedingungen: § 5 des Arbeitsschutzgesetzes verlangt bereits eine Gefährdungsbeurteilung, die psychische Belastungen bei der Arbeit berücksichtigt. Davon zu unterscheiden sind weitergehende politische Forderungen zur Vertragsgestaltung gegenüber selbstständigen Auftragnehmern.
Erdmann schreibt: „Psychische Gesundheit darf nicht auf Resilienzkurse für Beschäftigte reduziert werden, während belastende Arbeitsstrukturen unverändert bleiben.“ Studios, Publisher und andere Auftraggeber müssten nach Auffassung der Partei verlässlicher planen und dürften kurzfristige Änderungen nicht vollständig auf Freelancer abwälzen. Konkreten Unternehmen wirft die Antwort kein individuelles Fehlverhalten vor.
Games und KI nur als Ergänzung
Für Games-Entwickler enthält die Antwort auch einen Vorschlag zur Forschungsförderung. Volt möchte interdisziplinäre Projekte unterstützen, in denen Spieleentwicklung, Psychologie, Medizin und Betroffenenperspektiven zusammenarbeiten. Interaktive Anwendungen könnten aus Sicht der Partei Übungen vermitteln, Selbstbeobachtung unterstützen oder soziale Kontakte fördern.
Einen Ersatz für notwendige Behandlung sieht Volt darin ausdrücklich nicht. Bei KI-Angeboten fordert die Partei erkennbare Kennzeichnung automatisierter Kommunikation, Datenschutz, Wirksamkeitsnachweise und einen verantwortlichen Umgang mit Krisensituationen. Konkrete Anwendungen oder Studien nennt Erdmann nicht. Aus der politischen Unterstützung für solche Projekte lässt sich daher keine nachgewiesene therapeutische Wirkung eines bestimmten Spiels oder KI-Systems ableiten.
Finanzierung und zusätzliche Kapazitäten bleiben offen
Die Antwort benennt mehrere gewünschte Zugänge zur Unterstützung, enthält aber weder eine Kostenrechnung noch einen Zeitplan. Offen bleibt, welche Leistungen die Krankenkassen finanzieren sollen, welche Aufgaben öffentliche Stellen übernehmen würden und wie zusätzliches qualifiziertes Personal gewonnen werden könnte. Auch die Abgrenzung neuer Beratungsstellen zu bestehenden Angeboten ist nicht ausgearbeitet. Damit liegt eine politische Position zur Arbeits- und Gesundheitsvorsorge in der Games-Branche vor, noch kein ausformulierter Umsetzungsplan.
Transparenz: Grundlage dieses Beitrags ist eine schriftliche Antwort von Volt Deutschland auf redaktionelle Rückfragen. Die beschriebenen Forderungen werden durch Informationen zur bestehenden Versorgung und zum Arbeitsschutz ergänzt. Der Beitrag ist kein Vergleich der gesundheitspolitischen Positionen verschiedener Parteien.

