Der Engine-Hersteller Unity hat konkrete Details für ein überarbeitetes Lizenzmodell vorgelegt und nimmt damit weitgehend Abstand von seinen ursprünglichen Plänen für eine sogenannte Runtime Fee. Den Schritt hatte das Unternehmen bereits einige Tage zuvor ohne Details und mit einer Entschuldigung angekündigt, nachdem die im September 2023 vorgestellte Gebührenstruktur für massive Kritik von Entwicklern, Kunden und Nutzern gesorgt hatte. Wie Unity ankündigte, bleibt die Idee einer Gebühr pro tatsächlicher Spielinstallation zwar grundsätzlich bestehen, es soll aber deutlich mehr Ausnahmen geben.
Deutliche Zugeständnisse an Kritiker
Besonders beim kostenlosen Unity-Personal-Abo lenkt der Hersteller ein: Die Umsatzgrenze, ab der überhaupt gezahlt werden muss, steigt von 100.000 auf 200.000 US-Dollar. Auch die Pflicht zur Einblendung eines Splash-Screens mit dem Hinweis „Made with Unity“ entfällt. Die Laufzeitgebühr selbst wird künftig erst ab einem Umsatz von mindestens 1 Million US-Dollar innerhalb von zwölf Monaten fällig, die bisherigen Abogebühren bleiben davon unberührt.
Runtime Fee nur noch als Anteil am Umsatz
Wird die neue Umsatzschwelle überschritten, verlangt Unity künftig entweder 2,5 Prozent des Gesamtumsatzes oder einen berechneten Betrag auf Basis der Anzahl neuer Personen, die sich monatlich mit dem jeweiligen Spiel beschäftigen. Die dafür nötigen Daten will Unity nicht selbst erheben, sondern auf die Angaben seiner Kunden vertrauen. Die überarbeitete Gebührenstruktur gilt zudem nicht rückwirkend und nicht für Spiele, die sich aktuell noch in Entwicklung befinden. Sie soll erst für Projekte greifen, die mit der für 2024 geplanten LTS-Version der Engine umgesetzt werden, wer nicht upgradet, ist also nicht betroffen.
Vertrauensverlust trotz Kurswechsel
Ausgelöst hatte die Kontroverse die ursprüngliche Ankündigung einer Gebühr von 20 US-Cent pro Installation, die aus Sicht vieler kleiner und unabhängiger Studios existenzbedrohend gewesen wäre. Trotz der nun umgesetzten Kehrtwende sprechen zahlreiche Entwickler weiterhin von einem nachhaltigen Vertrauensverlust gegenüber dem Unternehmen. Das Team hinter Terraria warf Unity in diesem Zusammenhang sogar „räuberische Machenschaften“ vor.
