Bei Raven Software, einem Studio aus dem Hause Activision Blizzard, haben sich die Tester der Qualitätssicherung gewerkschaftlich zusammengeschlossen. Die Communications Workers of America (CWA) teilte am 21. Januar 2022 mit, dass die Beschäftigten die Game Workers Alliance (CWA) gegründet haben und das Management von Activision Blizzard zur freiwilligen Anerkennung ihrer Interessenvertretung auffordern. Es ist die erste Gewerkschaft innerhalb des Publishers und eine der ersten überhaupt bei einem großen US-Spieleverlag.
Die CWA verlangt in ihrer Mitteilung, dass das Management die Vertretung der QA-Belegschaft von Raven ohne Verzögerung anerkennt. Eine freiwillige Anerkennung sei der vernünftige Weg nach vorn, sagte CWA-Sekretärin und Schatzmeisterin Sara Steffens. Becka Aigner, QA Functional Tester II bei Raven, begründete den Schritt damit, dass die kollektive Stimme der Beschäftigten von der Führungsebene gehört werden solle. Erin Hall, ebenfalls QA Functional Tester II, knüpfte an die Organisierung das Ziel, einen neuen Standard für Beschäftigte in der gesamten Branche zu setzen.
Hintergrund: Streik nach Entlassungen in der QA-Abteilung
Vor der Gründung stand ein Arbeitskampf in der Qualitätssicherung von Raven Software. Auslöser war laut CWA die Entlassung von zwölf QA-Testern. Daraufhin legten am 6. Dezember 2021 mehr als 60 Beschäftigte des Studios die Arbeit nieder. Als die Gewerkschaft gegründet wurde, lief der Streik bereits in der fünften Woche. Es war die dritte Arbeitsniederlegung, seit Activision Blizzard im Juli 2021 mit einer Klage wegen Vorwürfen sexueller Belästigung und Diskriminierung am Arbeitsplatz konfrontiert worden war.
Raven Software arbeitet als Co-Entwicklungsstudio massgeblich an der Reihe Call of Duty mit, unter anderem am Free-to-Play-Ableger Warzone. Die Qualitätssicherung gilt in der Spieleentwicklung als arbeitsintensiver und oft prekär beschäftigter Bereich, in dem Werkverträge und befristete Anstellungen weit verbreitet sind. Mit der Organisierung der QA-Abteilung rücken die Arbeitsbedingungen in diesem Teil der Branche in den Vordergrund.
Parallel zur geplanten Microsoft-Übernahme
Die Gewerkschaftsgründung fiel zeitlich mit der wenige Tage zuvor bekannt gewordenen Absicht von Microsoft zusammen, Activision Blizzard zu kaufen. So fiel der arbeitsrechtliche Streit um die Anerkennung der Game Workers Alliance mitten in einen der grössten angekündigten Zusammenschlüsse der Spielebranche. Eine freiwillige Anerkennung durch das Management lehnte Activision Blizzard zunächst ab. Damit steuerte das Verfahren auf eine Abstimmung vor der zuständigen US-Arbeitsbehörde National Labor Relations Board zu.