Pizza in Videospielen: Von Pac-Man bis zur Wirtschaftssimulation

Pizza taucht in Videospielen als Motiv, Spielziel, Markenkooperation und Wirtschaftsfaktor auf. Der historische Überblick von heise online verfolgt diese Entwicklung von Pac-Man bis zur Wirtschaftssimulation Pizza Connection.

Vom Pizzastück zum Spielprinzip

Das bekannteste Pizzamotiv der Spielegeschichte ist das fehlende Stück im Kreis von Pac-Man. Toru Iwatani erklärte den Ursprung später mit dem Anblick einer Pizza, aus der ein Stück herausgeschnitten war. Das frühe Computerspiel „Pizza“ nahm das Gericht wörtlich: Spieler nahmen telefonisch Bestellungen auf und ermittelten die Lieferkoordinaten aus einer Tabelle.

1993 machte das belgische Studio Copysoft Pizza zum Ausgangspunkt eines Jump-and-Runs. In „Skunny: Save Our Pizzas“ muss die Hauptfigur das Wissen über Zutaten und Rezepte zurückholen. Pizza ist hier kein Werbeverweis, sondern Teil von Handlung, Welt und Gegnerdesign.

Die heise-Redaktion ergänzt den historischen Abriss in einem Video zur Pizza in Videospielen. Das Beispiel zeigt, wie ein alltägliches Motiv über mehrere Jahrzehnte in unterschiedlichen Genres weiterverwendet wurde.

Pizza Hut öffnet den Browser

Die bekannteste reale Markenkooperation kam 2005 in „EverQuest 2“. Der Chat-Befehl /pizza öffnete die Bestellseite von Pizza Hut im Browser. Eine tiefere Einbindung in das Spiel oder eine Verknüpfung mit der Abo-Abrechnung wurde zwar erwogen, blieb aber aus. Die Marke war damit präsent, änderte jedoch weder die Spielwelt noch die Regeln des Online-Rollenspiels.

„Phantasy Star Portable 2“ ging 2009 auf der PSP einen spielerischeren Weg. Pizza Hut erhielt dort eine virtuelle Filiale. Eine Pizzapfanne diente als Waffe, ein Pizzakarton als Schild. Das Beispiel zeigt den Unterschied zwischen einem externen Werbeverweis und einer Kooperation, die mit Gegenständen und Humor in die Spielmechanik eingebaut wird. Weitere Formen solcher Produktplatzierung in Spielen reichen von sichtbaren Marken bis zu eigens gestalteten Spielinhalten.

In mehreren Teilen der „Grand Theft Auto“-Reihe gibt es mit Well Stacked Pizza außerdem eine fiktive Kette. In „Vice City“ können Figuren dort ihre Lebensenergie auffrischen. Nebenmissionen, in denen Pizzen mit einem Motorroller ausgeliefert werden, machen das Restaurant zugleich zu einem Bestandteil der Spielwelt. Die fiktive Marke braucht keine reale Produktlizenz und kann trotzdem Vertrautheit erzeugen.

Pizza Connection als Wirtschaftssimulation

Pizza wurde auch zum vollständigen Geschäftsmodell eines Spiels. „Pizza Connection“ erschien 1994 für DOS und Amiga bei Software 2000. Die Entwickler Thomas Langhanki und Stefan Kurth verbanden Restaurantplanung mit einer Wirtschaftssimulation. Das beiliegende Kochbuch war zugleich ein Kopierschutz: Erst wer die Originalrezepte nachkochte, erhielt im Spiel gute Bewertungen. Telefonnummern in der Anleitung gehörten ebenfalls zum Konzept.

Für den internationalen Markt veröffentlichte MicroProse das Spiel als „Pizza Tycoon“ und passte unter anderem Städte, Texte und Grafiken an. Auf „Pizza Syndicate“ und „Pizza Connection 2“ folgte 2018 „Pizza Connection 3“ von Assemble Entertainment. Zur Vermarktung organisierte das Unternehmen mit einer Berliner Pizzeria und Pizza.de eine Pizza mit 111 verschiedenen Käsesorten. Die Aktion verband das reale Produkt mit dem Thema der Spielserie, ohne die Spielmechanik selbst zu verändern.

Wenn Marken Teil der Spielwelt werden

Die Beispiele zeigen drei unterschiedliche Ebenen. Ein Browser-Befehl wie in „EverQuest 2“ lenkt Aufmerksamkeit auf einen Anbieter. Gegenstände und Orte wie in „Phantasy Star Portable 2“ oder „Grand Theft Auto“ verankern Pizza in der Spielwelt. „Pizza Connection“ macht aus dem Produkt selbst das zentrale System eines Spiels. Für Entwickler und Marken entscheidet damit nicht nur die Sichtbarkeit, sondern die Frage, ob die Kooperation eine nachvollziehbare Funktion im Spiel erhält.

Pizza ist deshalb ein anschauliches Beispiel für die Bandbreite von Markenintegration. Sie kann kulturelles Motiv, humorvolles Detail, Werbeschnittstelle oder Kern einer Wirtschaftssimulation sein. Welche Variante funktioniert, hängt von Spielgenre, Zielgruppe, Lizenzumfang und technischer Umsetzung ab.

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