Netflix übernimmt Night School Studio, den Entwickler des narrativen Adventures Oxenfree, und erhält damit erstmals ein eigenes Spielestudio. Mike Verdu, Vice President Game Development, gab die Übernahme am 28. September 2021 bekannt. Finanzielle Details der Transaktion nannte das Unternehmen nicht. Es ist die erste komplette Studioakquisition seit dem Start der Games-Initiative und kommt rund zwei Monate, nachdem der ehemalige Electronic-Arts-Manager Verdu zu Netflix gewechselt war, um den Aufbau der Spielesparte zu leiten.
Night School Studio wurde 2014 von Sean Krankel und Adam Hines gegründet und ist vor allem für das 2016 erschienene Oxenfree bekannt, ein dialoggetriebenes Mystery-Adventure mit übernatürlichem Einschlag. Verdu hebt in der Mitteilung die erzählerische Ausrichtung des Teams hervor. Netflix befinde sich nach eigener Darstellung noch in einer frühen Phase beim Aufbau eines Spieleangebots für die Mitglieder weltweit.
Spiele ohne Werbung und ohne In-App-Käufe im Abo
Das Geschäftsmodell unterscheidet sich grundlegend von der mobilen Free-to-Play-Welt. Laut Verdu sollen die Spiele wie Serien und Filme Bestandteil der Netflix-Mitgliedschaft sein, und zwar „all with no ads and no in-app purchases“, also ohne Werbung und ohne In-App-Käufe. Der Zugang läuft über das bestehende Abonnement, nicht über Einzelverkäufe oder Mikrotransaktionen. Netflix testete zu diesem Zeitpunkt bereits erste mobile Titel in einzelnen Märkten und behandelt die Studioübernahme als Schritt hin zu eigenen Inhalten statt reiner Lizenzware.
Ein Streaming-Anbieter neben Game Pass und Cloud-Gaming
Für den Spielemarkt entsteht ein Wettbewerber, der nicht aus der Konsolen- oder PC-Welt kommt. Microsoft baut mit dem Xbox Game Pass und Cloud-Streaming ein abogetriebenes Modell rund um große Produktionen aus. Netflix setzt dagegen auf die eigene Abrechnungsbasis von mehreren hundert Millionen Konten und auf die Distribution über die bestehende App. Der Kauf eines erzählorientierten Indie-Studios statt eines großen Publishers zeigt, wo der Streaming-Anbieter zunächst ansetzt. Überschaubare, autorengetriebene Spiele passen zur Mediathek. Welche Reichweite das gegenüber etablierten Plattformen wie Game Pass erreicht, hängt davon ab, ob Netflix die Produktion über einzelne Studios hinaus skaliert. Wie schwierig dieser Schritt ist, zeigte sich später, als der Anbieter ein internes AAA-Studio wieder schloss und seine ambitionierten Pläne überdachte.
Quelle und Kernaussage: Netflix Newsroom, „Expanding Our Games Team With the Acquisition of Night School Studio“.