Microsoft hat am 9. Februar 2022 die sogenannten Open App Store Principles veröffentlicht. Vice Chair und President Brad Smith hielt darin elf Grundsätze fest, die für den Microsoft Store unter Windows und später auch für die hauseigenen Spielemarktplätze greifen sollen. Den Zeitpunkt wählte der Konzern nicht zufällig: Die angekündigte Übernahme von Activision Blizzard steht zur Prüfung an, und das Papier wendet sich offenkundig an die zuständigen Aufsichtsbehörden. Wie sehr das Thema die Community beschäftigt, zeigte sich bereits in den Forderungen rund um den Xbox Player Voice.
Die elf Grundsätze verteilen sich auf vier Bereiche. Die ersten drei drehen sich um Qualität, Sicherheit, Schutz und Privatsphäre. Zwei weitere regeln, wofür der Plattformbetreiber Rechenschaft schuldet. Zwei Grundsätze stellen Fairness und Transparenz nach vorn, etwa beim Ranking von Anwendungen. Die letzten vier sollen Entwicklern Wahlfreiheit sichern. Dazu gehört, dass niemand gezwungen wird, das Bezahlsystem von Microsoft zu verwenden, dass Entwickler direkt mit ihren Kunden sprechen dürfen und dass sie im Microsoft Store keine schlechteren Konditionen anbieten müssen als auf anderen Vertriebswegen.
Anwendung auf Windows und Xbox-Konsole
Im Microsoft Store unter Windows gelten die Grundsätze laut Konzern sofort. Auf Ebene des Betriebssystems kommen weitere Zusagen dazu, darunter die Möglichkeit alternativer App-Stores, die Herausgabe von Interoperabilitätsinformationen und die freie Wahl der Standardeinstellungen durch die Nutzer. Bei der Xbox-Konsole macht Microsoft Unterschiede. Die Prinzipien 1 bis 7 sollen für den Konsolen-Store gelten, die übrigen erst nach und nach. Zur Begründung führt das Unternehmen an, dass Spielekonsolen einem anderen Geschäftsmodell folgen als PCs und Mobilgeräte und oft unter Selbstkosten verkauft werden, um ein Ökosystem aufzubauen.
Zusage zu Call of Duty auf PlayStation
Zur Activision-Blizzard-Übernahme äußerte sich Microsoft auch dazu, was mit Call of Duty auf konkurrierenden Plattformen passiert. Nach Angaben des Konzerns sollen Call of Duty und weitere bekannte Activision-Blizzard-Titel im Rahmen der bestehenden Vereinbarungen mit Activision auf der PlayStation bleiben. Gegenüber Sony erklärte Microsoft zudem, diese Titel über die Laufzeit der jetzigen Vereinbarung hinaus und auch künftig auf der PlayStation anzubieten. Ähnliche Zusagen zur Unterstützung der Nintendo-Plattform stellte das Unternehmen ebenfalls in den Raum. Mit diesen Ansagen stellt sich Microsoft im laufenden Prüfverfahren als kooperationsbereit dar und entkräftet den Vorwurf einer möglichen Exklusivität schon vor den nächsten Schritten der Aufsicht.