Craig Hockenberry, Mitgründer des App-Studios Iconfactory und langjähriger Apple-Entwickler, hat am 4. September 2019 in einem Blogbeitrag scharfe Kritik an der Betaphase von iOS 13 und macOS 10.15 geübt. Die Monate seit der Entwicklerkonferenz WWDC im Juni seien für Kunden und Entwickler gleichzeitig eine schlechte Erfahrung gewesen; das Zentrum des Chaos bildete Apples Synchronisierungsdienst iCloud.
iCloud verliert Ordner und beschädigt Dateien
Ausgangspunkt waren Meldungen von Nutzern der App Linea, deren iCloud-Ordner nach der Installation der iOS-13-Beta ganz oder teilweise verschwunden waren. Hockenberry beschreibt komplette Ordner, die nicht mehr auffindbar oder fehlerhaft waren, und verweist darauf, dass Apples Mechanismus zur Wiederherstellung gelöschter Dateien in diesen Fällen nicht half. Wer immerhin merkwürdige Ordner-Duplikate vorfand, gehörte aus seiner Sicht noch zu den Glücklichen. Da Apple anfangs keine Information zu den iCloud-Problemen lieferte und der Entwickler-Support DTS Beta-Versionen nicht betreut, blockierte Iconfactory die Nutzung von Linea unter iOS 13 zunächst komplett; Testwillige erhielten eigene Testflight-Builds mit deutlicher Datenverlustwarnung.

Apple rollt die neuen iCloud-Funktionen zurück
Einige Wochen später deutete Apple Probleme an und zog betroffene Funktionen zurück. Apple hatte zudem eine öffentliche Beta freigegeben und Kunden per E-Mail zum Mitmachen eingeladen, obwohl die internen Meldungen der Entwickler noch nicht beantwortet waren. Bis Beta 6 besserte sich die Lage, doch einzelne Nutzerberichte blieben. Nach Hockenberrys Darstellung wird die komplette iCloud-Stack zurückgerollt, sodass neue iCloud-Funktionen in iOS 13 zunächst nicht enthalten sind. Er hält diesen Schritt für die vernünftigste Option und wünscht sich eine offizielle Stellungnahme von Apple.
Warum ausgerechnet iCloud die Betaphase traf
Apple warnt in Entwicklerdokumentation und WWDC-Vorträgen regelmäßig vor der Nutzung von Betas auf Produktivgeräten und empfiehlt Test-Accounts. Viele Nutzer behalten ihre reguläre Apple-ID bei, womit persönliche Dateien betroffen sind. In früheren Jahren fielen öffentliche Betas laut Hockenberry deutlich stabiler aus, weshalb die Warnungen selten Gewicht hatten. Diesmal traf es mit dem Dateisync einen Kern-Dienst, was den Schaden für Nutzer und für die Prüfprozesse der Apps erhöht.
Plattformumbrüche prägen das Entwicklerjahr 2019
Die instabile Betaphase fällt in ein Jahr mit mehreren technischen Weichenstellungen für Apple-Plattformen. Im März kündigte Apple mit Apple Arcade ein geräteübergreifendes Spiele-Abo an, im Juni bestätigte die Redaktion, dass tvOS 13 Xbox- und PlayStation-Controller unterstützt. Schon 2018 hatte macOS Mojave OpenGL und OpenCL für veraltet erklärt, was Grafik-Tools und Engines zu Migrationen zwang. Für Teams, die Apps und Spiele für iPhone, iPad und Mac bauen, kamen zu diesen Umstellungen damit unsichere Testumgebungen hinzu.
Apple hielt an den ursprünglichen Plänen fest: iOS 13 wurde für den Herbst erwartet, macOS 10.15 alias Catalina für Oktober 2019. Für Hockenberry bleibt die zentrale Lehre, dass ein Synchronisierungsdienst mit echten Nutzerdaten keine Beta sein sollte und dass Hersteller Beta-Probleme öffentlich benennen müssen, bevor sie Kunden per Kampagne zur Teilnahme einladen.
