Die zu CD Projekt gehörende Plattform GOG hat am 13. Oktober 2024 das GOG Preservation Program angekündigt und damit ein Siegel namens „Preserved by GOG“ eingeführt. Zum Start tragen 100 geprüfte und überarbeitete Klassiker diesen Stempel, darunter Heroes of Might and Magic 3, Dungeon Keeper 2 sowie Titel der Resident-Evil-Reihe. Mit dem Programm verbindet GOG die Zusage, die markierten Spiele DRM-frei und dauerhaft lauffähig auf aktuellen und künftigen PC-Konfigurationen zu halten.
Das Siegel ist mehr als eine Kennzeichnung. GOG koppelt daran eine Reihe konkreter Zusagen: Die jeweilige Fassung soll die vollständigste verfügbare Version inklusive Handbüchern und Bonusinhalten sein, sie soll auf gängigen heutigen wie zukünftigen Systemen funktionieren, und Käufer erhalten technischen Support für Kompatibilitätsfragen sowie den dauerhaften Zugriff auf Offline-Installer. Adressiert werden ausdrücklich Spiele, die von ihren ursprünglichen Publishern oder Entwicklern nicht mehr gepflegt werden. Jeder Eintrag wird zudem von einem Preservation Log begleitet, der die von GOG geleisteten Anpassungen dokumentiert.
Preservation als kommerzielles Versprechen
Bemerkenswert ist vor allem, auf welche Ebene GOG die Spielerhaltung hebt. Sie galt lange als Goodwill, getragen von Archiven, Enthusiasten und gelegentlichen Gesten der Rechteinhaber. GOG verlagert diese Funktion in das eigene Geschäftsmodell und macht aus dem Siegel ein Verkaufsargument. Die Plattform übernimmt nach eigener Darstellung die Wartungsarbeit, die andernfalls bei den ursprünglichen Schöpfern läge, und finanziert sie über den laufenden Verkauf der überarbeiteten Kataloge. Kompatibilität wird so zu einer Leistung, für die der Anbieter haftet, statt zu einem Nebenprodukt der DRM-Freiheit. Auch andere Akteure tasten sich an das Thema heran, etwa als Xbox ein eigenes Team für Spieleerhaltung einrichtete.
Wirtschaftlich passt der Schritt zur Positionierung von GOG, das die DRM-freie Distribution seit 16 Jahren als Kern seiner Marke führt. Die Offline-Installer entkoppeln den Besitz eines Spiels von der Laufzeit der Plattform-Server, was das Erhaltungsversprechen glaubwürdig stützt. Zugleich entsteht ein wiederkehrender Aufwand, denn jede künftige Hardware- oder Betriebssystem-Generation kann erneute Anpassungen erfordern. GOG bindet sich damit an eine dauerhafte Pflegeverpflichtung, deren Kosten gegen den Erlös aus einem ansonsten ausgereiften Katalog laufen.
Der Markt hinter der 87-Prozent-Zahl
Zur Begründung verweist GOG auf eine Erhebung der Video Game History Foundation, der zufolge 87 Prozent aller vor 2010 erschienenen Spiele heute nicht mehr zugänglich sind. Die Zahl umreißt das wirtschaftliche Potenzial: Ein erheblicher Teil kommerziell einst verfügbarer Software existiert in keiner legal käuflichen Form mehr, womit ein latenter Nachfragemarkt brachliegt. GOG positioniert sich als Anbieter, der diesen Bestand schrittweise reaktiviert, und nennt als Ziel, den Anteil unzugänglicher Titel mit Hilfe der Community gegen null zu senken. Die Frage, wie sich verschwindende Spiele bewahren lassen, beschäftigt inzwischen sogar die Politik, etwa rund um die Initiative Stop Destroying Videogames.
Für Gameentwickler und Rechteinhaber eröffnet das Modell eine Option, ältere Bestände ohne eigenen technischen Aufwand wieder zu monetarisieren. Über die anfänglichen 100 Titel hinaus kündigt GOG an, das Programm in den folgenden Monaten mit weiteren Spielen aus dem bestehenden Katalog sowie künftigen Klassik-Veröffentlichungen auszubauen. Ob sich die Kompatibilitäts-Garantie über mehrere Hardware-Generationen tragfähig finanzieren lässt, wird sich am Verhältnis von Pflegeaufwand und Absatz der erhaltenen Kataloge zeigen.