Die schwedische Embracer Group hat am 6. April 2021 den Abschluss der Fusion mit The Gearbox Entertainment Company bekannt gegeben. Der Borderlands-Entwickler aus Frisco, Texas, geht damit als siebte Operating Group vollständig in den Konzern über. Zeitgleich vollzog Embracer den Kauf des Portierungsspezialisten Aspyr Media und den Zusammenschluss mit dem Mobile-Anbieter Easybrain.
Der aggregierte Day-One-Kaufpreis für die drei Transaktionen lag bei rund 9,3 Milliarden SEK. Davon entfielen etwa 2,5 Milliarden SEK auf eine Barkomponente und rund 6,8 Milliarden SEK auf neu ausgegebene B-Aktien. Hinzu kommt eine erfolgsabhängige Nachzahlung von maximal 12,5 Milliarden SEK, die über einen Zeitraum von bis zu sieben Jahren bei Erreichen vereinbarter finanzieller und operativer Ziele fällig werden kann. Dieser Earnout teilt sich in bis zu 7,0 Milliarden SEK in bar und rund 5,5 Milliarden SEK in B-Aktien auf. Gearbox stellt mit der Marke Borderlands, von der bis dahin über 60 Millionen Einheiten abgesetzt wurden, das Schwergewicht des Pakets.
Buy-and-Build als Wachstumsmotor
Mit dem Abschluss zählte Embracer eigenen Angaben zufolge mehr als 240 eigene Franchises, darunter Saints Row, Dead Island, Darksiders und Metro. Der Konzern führte zu diesem Zeitpunkt 63 interne Entwicklungsstudios und über 7.000 Beschäftigte in mehr als 40 Ländern. Gearbox brachte rund 550 Mitarbeiter an den Standorten Frisco und Qübec City ein. Die Akquisition war zum damaligen Stand die größte Einzeltransaktion in der Geschichte von Embracer.
Der Zukauf passte in die Buy-and-Build-Strategie von Konzernchef Lars Wingefors, der über Jahre hinweg eine große Zahl an Studios und Marken einsammelte und zu weitgehend eigenständigen Operating Groups bündelte. Gearbox-Gründer Randy Pitchford behielt dabei die operative Führung und verwies auf den Spielraum für neue Marken sowie den Ausbau bestehender Reihen. Die Struktur aus dezentralen Gruppen sollte den einzelnen Studios kreative Autonomie sichern, während die Holding Kapital und Wachstum steuerte.
Vom Aufkauf zur Zerschlagung
Die aggressive Expansion stieß später an ihre Grenzen. Nachdem ein erhofftes Großinvestment 2023 platzte, leitete Embracer ein umfangreiches Restrukturierungsprogramm mit Studioschließungen, Stellenstreichungen und Markenverkäufen ein. Im Zuge dieses Umbaus kündigte der Konzern eine Aufteilung in mehrere börsennotierte Einheiten an.
Gearbox selbst blieb davon nicht verschont. Im März 2024 verkaufte Embracer den Borderlands-Macher für einen Betrag von rund 460 Millionen US-Dollar an Take-Two Interactive, also an den Konzern, der mit 2K bereits zuvor als Publisher der Reihe fungierte. Wie eng beide Seiten zu diesem Zeitpunkt noch verflochten waren, zeigte sich daran, dass Take-Two parallel einen Verkauf von Aktien durch die Embracer Group ankündigte. Die Trennung von Gearbox nach knapp drei Jahren markiert die Kehrseite der zuvor verfolgten Expansion: Was 2021 als siebte Operating Group hinzukam, wurde im Rahmen der Konsolidierung wieder abgegeben. Unter dem neuen Eigentümer arbeitete das Studio weiter an der Reihe, deren jüngster Ableger mit Borderlands 4 den Goldstatus erreichte.