Guerrilla Games hat mit Horizon Zero Dawn, das am 28. Februar 2017 in Nordamerika für PlayStation 4 erschienen ist, erstmals demonstriert, wozu die hauseigene Decima-Engine jenseits linearer Shooter fähig ist. Das vom Sony-Studio entwickelte und von Sony Interactive Entertainment veröffentlichte Open-World-Rollenspiel verlagert eine Technologie, die ursprünglich für das Killzone-Umfeld konzipiert wurde, in eine offene Spielwelt mit weitem Sichtfeld und komplexer Gegner-KI. In Europa, Australien und Neuseeland folgte der Verkaufsstart am 1. März, in Asien am 2. März.
Vom Shooter-Renderer zur Open-World-Technologie
Die Decima-Engine entstand bei Guerrilla Games und kam erstmals mit Killzone: Shadow Fall im November 2013 zum Einsatz. Der dort verwendete Renderkern war auf die Anforderungen eines linearen First-Person-Shooters ausgelegt. Für Horizon Zero Dawn musste das Studio diese Basis grundlegend umbauen, da ein offenes Spielareal abweichende Prioritäten bei Sichtweite und Datenladevorgängen stellt. Das erklärte Ziel war es, eine offene Welt mit jener visuellen Auflösung und Detaildichte zu erzeugen, die sonst linearen Shootern vorbehalten bleibt. Während der Renderkern bereits vorhanden war, entwickelte das Team neue Systeme für Streaming, Level-Editing und die Platzierung von Assets, um einen Open-World-Workflow zu ermöglichen. Technisch unterstützt die Engine unter anderem 4K-Auflösung und High Dynamic Range.
Ein zentrales Element bildet die KI der Maschinengegner. Die Engine setzt auf hierarchische Aufgabennetzwerke, die statt einzelner Aktionen ganze Verhaltenssequenzen erzeugen. Daraus ergeben sich unterschiedliche Reaktionen je nach Maschinenklasse. Sammelmaschinen können die Flucht ergreifen, während Kampfmaschinen ihre Jagd koordinieren. Diese Kombination aus weitreichendem Rendering und reaktiver KI setzte den technischen Anspruch, mit dem Sony die Decima-Engine als First-Party-Technologie positionierte.
Vom internen Werkzeug zum Lizenzmodell
Die Benennung der Technologie hängt eng mit einer Partnerschaft zusammen, die kurz vor dem Erscheinen von Horizon Zero Dawn bekannt wurde. Guerrilla Games stellte Decima am 24. Februar 2017 als gemeinsame Engine mit Kojima Productions vor. Der Begriff Decima verweist auf Dejima, eine ehemalige japanische Insel, die während der Edo-Zeit als wichtiger niederländischer Handelsposten diente, und symbolisiert damit die niederländisch-japanische Zusammenarbeit der beiden Studios.
Damit verschob sich die Rolle der Technologie von einem rein internen Werkzeug hin zu einer Plattform, die auch externen Sony-nahen Produktionen zur Verfügung steht. Horizon Zero Dawn lieferte den öffentlich sichtbaren Beleg für die Open-World-Fähigkeiten der Engine, während die Zusammenarbeit mit Kojima Productions die Nutzung außerhalb von Guerrilla erweiterte.
