Call of Duty: Activision nimmt Cheat-Anbieter Elocarry ins Visier

Activision hat einen ungewöhnlichen Teil seiner Anti-Cheat-Arbeit öffentlich gemacht. Ein rund einminütiges Video zeigt, wie einem mutmaßlichen Verantwortlichen des Cheat-Anbieters Elocarry an einem Wohnhaus in Ohio Unterlagen im Namen des Publishers übergeben werden.

Die Aufnahme entstand laut dem offiziellen Call-of-Duty-Beitrag während der ersten Beta-Phase von Modern Warfare 4. In dem geschnittenen und teilweise unkenntlich gemachten Material erklärt der Überbringer, die Dokumente kämen von Anwälten Activisions. Der Empfänger solle sich an die darin genannte Kanzlei wenden. Eine Privatadresse oder die Identität der gefilmten Person veröffentlicht XboxDev nicht.

RICOCHET Anti-Cheat doesn't end when your match does.

Cheat makers operate around the world. So do we. We’re taking the fight directly to cheat sellers.

Last weekend during the Closed Beta, we went to Ohio to takedown Elocarry.

That’s not an isolated case… pic.twitter.com/IP69qlGgDD

— Call of Duty (@CallofDuty) August 28, 2026

Unterlassungsaufforderung statt Gerichtsbeschluss

Entscheidend ist die juristische Einordnung. Im Video fällt zwar die englische Formulierung „cease-and-desist order“, Activision selbst bezeichnet das Schreiben im begleitenden Thread jedoch als „cease-and-desist demand“. Es handelt sich damit um eine Unterlassungsaufforderung des Unternehmens und nicht um einen veröffentlichten Gerichtsbeschluss.

Bis zum Redaktionsschluss am 29. August um 11 Uhr ließ sich keine öffentlich zugängliche Klage gegen Elocarry belegen. Das bedeutet nicht, dass intern keine weiteren Schritte vorbereitet werden. Activision schreibt ausdrücklich, dass bei Bedarf Gerichtsverfahren folgen sollen. Eine Verurteilung oder eine bereits eingereichte Klage wäre nach dem derzeit öffentlich nachvollziehbaren Stand jedoch eine zu weitgehende Darstellung.

Call-of-Duty-Angebot bei Elocarry ist pausiert

Auf der Call-of-Duty-Produktseite von Elocarry steht derzeit nur noch, dass das Angebot vorübergehend nicht verfügbar sei. In der aktuellen Spieleübersicht fehlt Call of Duty ebenfalls. Die übrige Elocarry-Webseite ist dagegen online und wirbt weiterhin mit kostenpflichtigen Aimbots, ESP-Funktionen und weiteren Eingriffen für andere Spiele.

Activision zeigt in einem weiteren Thread-Beitrag zudem eine Mitteilung aus dem Elocarry-Discord, nach der das Call-of-Duty-Angebot während einer internen Prüfung pausiert werde. Die zeitliche Nähe stützt die Darstellung des Publishers, Elocarry bei Call of Duty gestört zu haben. Dass der gesamte Anbieter abgeschaltet worden sei, lässt sich daraus nicht ableiten.

In our ongoing fight against cheat developers and sellers, we've disrupted more than 375 cheat reseller operations, served more than 80 cease-and-desist demands and shut down more than 30 vendors.

And there’s more to come, including litigation when necessary. We’re prepared to… pic.twitter.com/80ldwtQapw

— Call of Duty (@CallofDuty) August 28, 2026

Der Publisher ordnet den Fall in eine größere Kampagne ein. Nach eigenen Angaben wurden mehr als 375 Aktivitäten von Cheat-Wiederverkäufern gestört, mehr als 80 Unterlassungsaufforderungen zugestellt und mehr als 30 Anbieter geschlossen. Diese Zahlen stammen von Activision; eine unabhängige Aufschlüsselung der Fälle wurde nicht mitgeliefert.

Team RICOCHET zielt damit nicht nur auf einzelne Spielkonten. Der Ansatz soll auch Entwickler, Betreiber und Verkäufer treffen, die mit Cheat-Software Geld verdienen. Activisions Nutzungsbedingungen untersagen unter anderem Software und Dienste, die unfaire Vorteile verschaffen oder Spielabläufe manipulieren.

Modern Warfare 4 läuft parallel in der offenen Beta

Die Veröffentlichung fällt in das zweite Testwochenende von Modern Warfare 4. Die offene Beta läuft seit dem 28. August und endet am 1. September. Activision spricht von niedrigeren Belastungsraten durch Cheats, schwerer zu umgehenden Hardware-Sperren und schnelleren Reaktionen während des ersten Wochenendes. Auch diese Leistungsangaben sind Selbstauskünfte des Publishers; Messwerte oder eine externe Prüfmethode nennt der Thread nicht.

Auf dem PC setzt der kommende Shooter laut den offiziellen Systemanforderungen TPM 2.0 und Secure Boot voraus. Beide Funktionen ergänzen die serverseitigen Erkennungen und Hardware-Sperren, verhindern aber nicht automatisch jede Form von Manipulation. Modern Warfare 4 soll am 23. Oktober 2026 erscheinen.

Gegen EngineOwning war Activision bereits vor Gericht gezogen. XboxDev berichtete 2022 über die Klage gegen den Cheat-Anbieter und später über Activisions rechtlichen Erfolg in diesem Verfahren. Der Elocarry-Vorgang ist davon getrennt; eine öffentlich zugängliche Klage ließ sich bis zum Redaktionsschluss nicht belegen.

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