Die brasilianische Regierung hat Discord wegen mutmaßlicher Versäumnisse beim Schutz Minderjähriger verklagt. Die zivilrechtliche Sammelklage verlangt 500 Millionen Reais, umgerechnet rund 83 Millionen Euro, als Entschädigung für immaterielle Schäden.
Gefordert werden strengere Kinderschutzfunktionen, eine belastbare Altersverifizierung, Verfahren zur Inhaltsmoderation und eine rechtskonforme Gestaltung der Kommunikationsfunktionen. Bei einer Missachtung gerichtlicher Auflagen droht ein tägliches Zwangsgeld von 500.000 Reais.
Klage folgt auf Abschaltung der Livestream-Funktion
Auslöser war der Tod eines 13-jährigen Mädchens nach einem Livestream im Juli. Die brasilianische Datenschutzbehörde ANPD ordnete daraufhin an, Discords Streaming-Funktion im Land zu deaktivieren. Discord bezeichnete die Klage gegenüber Reuters als unverhältnismäßig.
Die Plattform arbeitet bereits an einer breiteren Altersprüfung. Discord verschob die weltweite Einführung seiner Altersverifizierung auf die zweite Jahreshälfte 2026. Die brasilianische Klage zeigt, dass solche Systeme inzwischen auch zum Gegenstand konkreter staatlicher Verfahren werden.

