Autonome Schifffahrt: Mitsubishi lässt Fähre in Japan autonom fahren

In Japan ist nach Angaben der beteiligten Unternehmen erstmals eine Passagierfähre vollautonom gefahren. Wie Mitsubishi Heavy Industries mitteilt, handelt es sich laut dem Schiffbauunternehmen Mitsubishi Shipbuilding und der Reederei Shin Nihonkai Ferry um eine Weltpremiere.

Sieben Stunden ohne Eingriff der Besatzung

Die Premierenfahrt startete in Shinmoji auf der südlichen Hauptinsel Kyushu. Die 222 Meter lange Fähre Soleil war den Angaben zufolge sieben Stunden unterwegs und legte dabei eine Strecke von 240 Kilometern zurück, teilweise mit einer Geschwindigkeit von 26 Knoten, umgerechnet rund 48 Kilometer pro Stunde. Zur Testfahrt gehörten auch autonome An- und Ablegemanöver im Hafen. Zur Kollisionsvermeidung ist das Schiff mit mehreren Infrarotkameras ausgestattet, die andere Schiffe und Hindernisse erkennen. Ein Navigationssystem verarbeitet diese Kameradaten zusammen mit Informationen aus der Motorüberwachung und dem regulären Navigationssystem, um den Kurs eigenständig zu bestimmen. Zusätzlich sind die Absicherung der Daten sowie eine Kommunikationsverbindung zur Überwachung und Unterstützung des Schiffs von Land aus Teil des Systems.

Monatelanges Training mit menschlicher Besatzung

Die Soleil ist bereits seit dem 1. Juli des vergangenen Jahres im Einsatz. In den ersten Monaten wurde sie noch von einer Besatzung gesteuert, wobei die dabei gesammelten Daten in die Entwicklung des vollständig autonomen Navigationssystems einflossen. Als größte Herausforderung bei einem automatisiert betriebenen Schiff gilt laut den Projektverantwortlichen die verlässliche Fehlervorhersage, weshalb parallel auch die Systeme zur Motorüberwachung intensiv weiterentwickelt und getestet wurden.

Teil der Initiative Meguri 2040

Das Projekt Smart Coastal Ferry ist Teil der 2020 gestarteten Initiative Meguri 2040, die Systeme für die autonome Schiffsnavigation entwickeln soll. Ziel ist eine sicherere Schifffahrt, gleichzeitig soll die Technik dem Fachkräftemangel in der japanischen Schifffahrtsbranche entgegenwirken, die in einer zunehmend überalterten Gesellschaft zu kämpfen hat. Bis März waren im Rahmen der Initiative Tests weiterer Projekte geplant. Naoki Ueda, Bereichsleiter bei Mitsubishi Shipbuilding, wird mit den Worten zitiert, die Demonstration habe die Entwicklung vollständig autonomer Schiffsnavigationssysteme mit Techniken wie künstlicher Intelligenz erheblich beschleunigt, und man wolle die gewonnenen Erkenntnisse nutzen, um einen sicheren und hochwertigen Service für Passagierfähren zu gewährleisten, die für die Inselnation Japan eine wichtige Rolle im Seeverkehr spielen.

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