Während die Besucherzahlen der GDC Festival of Gaming seit Jahren sinken, meldet die gamescom 2026 laut einem am 6. Juli 2026 veröffentlichten Interview von GamesIndustry.biz ein Plus von über 15 Prozent bei den Ausstellern im Frühbucherbereich. Journalist Lewis Packwood hat dafür Tim Endres, Direktor der gamescom bei der Koelnmesse, und Stefan Heikhaus, seinen Ansprechpartner beim Branchenverband game, am Rande der gamescom latam in São Paulo befragt.
Das Gespräch drehte sich um die Vorbereitungen für die Kölner Messe im August, um staatliche Förderung für die Games-Branche in Deutschland und um die wachsende Rolle der Ableger gamescom latam und gamescom Asia.
Zweistelliges Ausstellerwachstum trotz GDC-Schwäche
Zu den Aussichten für August sagte Endres, das Frühbucherergebnis falle ausgezeichnet aus. Die Ausstellerzahl sei um mehr als 15 Prozent gestiegen, auch der Ticketverkauf laufe gut an. Im Gespräch verwies Packwood zudem auf die Veranstalter von Nordic Game, die zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahresvergleich ein Plus von 33 Prozent bei den verkauften Tickets gemeldet hatten, und fragte, ob ein Zusammenhang mit den sinkenden Teilnehmerzahlen der GDC bestehe. Endres wollte das nicht bewerten, verwies aber auf das starke Wachstum der gamescom seit der Pandemie und auf die inzwischen etablierten digitalen und hybriden Angebote der Messe.
Die Kölner Ausgabe hatte im vergangenen Jahr mehr als 350.000 Besucher gezählt und in der Vergangenheit bereits mehr als 1.500 Aussteller auf dem Gelände versammelt. Stefan Heikhaus ordnete den Erfolg auch als Ergebnis vieler kleiner Entscheidungen über die Jahre ein, vom Umzug von Leipzig nach Köln bis zur Preisgestaltung und der Zusammenarbeit mit den Ausstellern. Eine Veranstaltung wie die gamescom lasse sich nicht kurzfristig aus dem Boden stampfen, so Heikhaus, wer etwas Vergleichbares aufbauen wolle, müsse klein anfangen.
gamescom dev startet als eigener Messetag
Neu ist 2026 die vollständige Integration der früheren devcom in die gamescom-Woche. Die Messe beginnt laut Endres bereits am Montag, den 24. August, mit der gamescom dev. Es handle sich nicht nur um eine Umbenennung, sondern um eine komplette Einbindung in das gamescom-Ökosystem: Dieselbe Hauptbühne, auf der die politische Eröffnung und der gamescom Congress stattfinden, diene auch der gamescom dev. Hinzu komme mit der gamescom biz eine digitale Business-Plattform, auf der sich die gesamte Branche vernetzen könne, ohne zwischen einzelnen Teilveranstaltungen wechseln zu müssen.
Staatliche Förderung als Wachstumsfaktor
Auf die Frage, wie wichtig staatliche Unterstützung für die deutsche Games-Branche sei, nannte Heikhaus steuerliche Förderung als wirksamstes Mittel, um einen Markt über eine kritische Schwelle zu bringen und damit weitere Studios anzuziehen. Das Thema werde in Deutschland weiterhin kontrovers diskutiert, weshalb der Austausch mit allen Beteiligten wichtig sei, von der Regierung über die Branche bis zur Community.
Die gamescom selbst habe in den vergangenen 20 Jahren dazu beigetragen, das Bild von Videospielen bei politischen Entscheidungsträgern zu verändern, von einer eher negativen Wahrnehmung hin zu einem differenzierteren Blick. Wenn ein Politiker 300.000 Menschen sehe, die auf der Messe Spiele genössen, mache das den Punkt für sich selbst deutlich, so Heikhaus.
gamescom latam wächst, große Konsolenhersteller fehlen auf dem Messeboden
Die gamescom latam fand in diesem Jahr vom 30. April bis 3. Mai zum dritten Mal in São Paulo statt. Endres bezeichnete die LATAM-Region als einen der am schnellsten wachsenden und dynamischsten Märkte, ohne bereits eine abschließende Einschätzung zu ihrer künftigen Größe abgeben zu wollen. Ermöglicht wurde der Aufbau laut Heikhaus durch die Zusammenarbeit mit Gustavo Steinberg und dessen bereits etabliertem BIG Festival, ähnlich wie die gamescom Asia mit der Thailand Game Show verschmolzen wurde.

Unter den großen Marken auf dem Messeboden nannte das Interview Nvidia, AMD und Nintendo. Sony und Microsoft waren dagegen ohne eigenen Stand vertreten, was Endres mit der noch jungen dritten Auflage der Veranstaltung erklärte. Eine gamescom vom Format der Kölner Messe mit mehr als 1.500 Ausstellern lasse sich in den ersten Jahren eines Ablegers nicht erwarten, dafür brauche es Zeit, und jede Region habe ihre eigenen Besonderheiten.
Zur Kritik von Ausstellern an Vertragsstrafen für vorzeitig verlassene Stände im Vorjahr sagte Heikhaus, man habe das Thema zunächst dem lokalen Geschäftsbetrieb überlassen und diesen mit eigenem Wissen unterstützt. Inzwischen habe das Team der gamescom latam das Format angepasst, unter anderem mit eigenen Zonen für BIG-Festival-Titel und einem Entwicklerbereich, für den sich mehrere hundert Spiele beworben hatten, von denen zehn ausgewählt wurden. Für die kommende Ausgabe kündigte Endres zudem eine sechsstellige Investition in die Awesome Indies Showcase an, um die digitale Plattform der gamescom für unabhängige Entwicklerinnen und Entwickler zu stärken.
