In Riad hat am 3. Juli 2024 der erste Esports World Cup begonnen, ein achtwöchiges Turnier, mit dem Saudi-Arabien sich dauerhaft als Standort für internationale E-Sport-Wettbewerbe etablieren will. Ausgerichtet wird die Veranstaltung von der staatlich finanzierten Esports World Cup Foundation (EWCF) unter Leitung von Ralf Reichert, dem Gründer des Kölner Turnierveranstalters ESL.
Für die teilnehmenden Teams steht ein Gesamtpreisgeld von 60 Millionen US-Dollar bereit, das höchste je in einem einzelnen E-Sport-Wettbewerb ausgeschüttete Volumen. Details zur Aufteilung der Summe auf Clubs, Spieler und Qualifikationsphasen hatte die Stiftung bereits im April bekanntgegeben, siehe dazu den Bericht zum Rekord-Preisgeld. Bis zum Turnierende am 25. August treten mehr als 1.500 Profispieler aus rund 100 Ländern in 20 Titeln gegeneinander an, darunter Counter-Strike 2, League of Legends, Rocket League, Rainbow Six Siege und EA Sports FC 24.
Sponsoren und Übertragung
Zu den Sponsoren und Partnern zählen unter anderem Adidas, Honor, Pepsi, Sony, TikTok und LG. Übertragen werden die Wettkämpfe weltweit kostenlos über den Streamingdienst DAZN, einzelne Partien zeigt zusätzlich der Sender Sport1. Neben den sportlichen Wettbewerben ist ein Rahmenprogramm mit Fan-Festival, Spielstationen und Shows geplant.
Kritik an Saudi-Arabien als Ausrichter
Der Esports World Cup ist Teil einer umfassenderen Investitionsstrategie, mit der sich der saudische Staatsfonds Public Investment Fund seit Jahren an Spieleherstellern wie Electronic Arts, Take-Two Interactive, Capcom, Activision Blizzard, Embracer Group und Nintendo beteiligt. Möglich wurde die Ausrichtung des Turniers auch durch die milliardenschwere Übernahme des Kölner Veranstalters ESL, der inzwischen mit dem Wettbewerber Faceit zur ESL Faceit Group verschmolzen ist.
Neben der wirtschaftlichen Dimension steht das Turnier wegen der Menschenrechtslage in Saudi-Arabien in der Kritik. Der aktuelle Länderbericht der Bundesregierung bemängelt die häufige Anwendung der Todesstrafe, laut Amnesty International wurden 2023 mindestens 170 Menschen hingerichtet. Auch der Umgang mit Meinungsfreiheit, Frauenrechten und der LGBTQ-Community steht in der Kritik, das Auswärtige Amt weist Reisende ausdrücklich auf die Rechtslage bei homosexuellen Handlungen hin. EWCF-Chef Ralf Reichert räumt Kritikpunkte ein, sieht darin aber auch Unwissenheit über positive Entwicklungen im Land.
Publisher reagieren unterschiedlich auf das saudische Engagement. Riot Games hatte 2020 ein geplantes Sponsoring der League-of-Legends-Profiliga durch das saudische Projekt Neom nach Protesten gestoppt, ist inzwischen aber mit League of Legends und Teamfight Tactics fester Bestandteil des Esports World Cup.
