Im Season-Two-Progress-Report zu RICOCHET Anti-Cheat hat das Team von Activision am 18. Februar 2022 angekündigt, dass die serverseitige Mitigation-Technik „Damage Shield“ die Testphase verlassen hat und nun weltweit ausgerollt ist. Damit verschiebt der Publisher den Fokus der Cheat-Bekämpfung in Call of Duty: Warzone von nachgelagerten Account-Sperren hin zu Echtzeit-Gegenmaßnahmen, die direkt im laufenden Match greifen. Parallel dazu lief der globale Rollout des kernel-level Treibers von RICOCHET auf dem PC.
Wie Damage Shield serverseitig eingreift
Die Architektur hinter Damage Shield setzt nicht am Client, sondern am Server an. Erkennt der Server in Echtzeit, dass ein Spieler das Spiel manipuliert, wird dessen Fähigkeit deaktiviert, kritischen Schaden an anderen Spielern auszuteilen. Der betroffene Account bleibt dabei selbst verwundbar, sodass reguläre Spieler den Cheater im Gefecht weiterhin ausschalten können. Aus Architektursicht ist das ein Wechsel von einer binären Sanktion, also dem Bann, hin zu einer graduellen Degradierung der Wirksamkeit eines manipulierten Clients innerhalb der laufenden Sitzung.
Der Ansatz verfolgt nach Angaben des Teams ein doppeltes Ziel. Zum einen wird der Spielfluss für ehrliche Teilnehmer geschützt, weil ein erkannter Cheater seinen Vorteil im direkten Duell verliert. Zum anderen erlaubt das Verfahren dem RICOCHET-Team, während dieser Begegnungen Informationen über das System des Cheaters zu sammeln. Damage Shield wirkt damit nicht nur als Abwehr, sondern auch als Datenquelle für die weitere Erkennung. Die Begegnungen werden ausgewertet, um sicherzustellen, dass das Spiel ein Damage Shield nicht zufällig oder versehentlich anwendet, unabhängig vom Skill-Level eines Spielers.
Damage Shield als Teil mehrerer In-Game-Mitigationen
Activision zählt Damage Shield ausdrücklich zu mehreren In-Game-Mitigationen, die über das reine Sperren von Accounts hinausgehen. Weitere Maßnahmen seien bereits aktiv, zusätzliche befänden sich in der Entwicklung. Das Team betont, niemals in Feuergefechte zwischen regelkonformen Spielern einzugreifen. Seit der Aktivierung der neuen Mitigationen in den Wochen vor dem Report verzeichnete der Publisher einen Rückgang bei den Cheat-Meldungen, den das Team als Beleg für die Wirksamkeit der serverseitigen Gegenmaßnahmen wertet. Die technische Abwehr ist dabei nur ein Strang von mehreren. Activision geht parallel auch juristisch gegen Cheat-Hersteller vor.
Technisch interessant ist die Kombination aus dem kernel-level Treiber auf dem PC, der die Erkennung tiefer im System verankert, und der serverseitigen Reaktion in Form der Mitigation. Die Erkennung liefert das Signal, die serverseitige Logik entscheidet über die Konsequenz im laufenden Match. So lässt sich auf eine Manipulation reagieren, ohne dass der Spieler sofort entfernt wird, was wiederum die Beobachtung des Cheating-Verhaltens und das Sammeln weiterer Erkennungsmerkmale ermöglicht. Dass sich solche Gegenmaßnahmen zunehmend auch vor Gericht durchsetzen lassen, zeigte etwa der Fall, in dem ein US-Gericht Cheats als Urheberrechtsverstöße einstufte.