Tencent hat am 13. November 2024 die Zahlen für das dritte Quartal 2024 vorgelegt und einen Gesamtumsatz von 167,2 Milliarden RMB ausgewiesen, ein Plus von 8 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Der Bruttogewinn stieg um 16 Prozent auf 88,8 Milliarden RMB und wuchs damit deutlich schneller als der Umsatz. Der den Anteilseignern zurechenbare Gewinn auf Non-IFRS-Basis kletterte um 33 Prozent auf 59,8 Milliarden RMB, das operative Ergebnis legte um 19 Prozent auf 61,3 Milliarden RMB zu.
Getragen wurde das Quartal vom Games-Geschäft. Die inländischen Spieleerlöse erreichten 37,3 Milliarden RMB und legten um 14 Prozent zu. Dahinter standen langlebige Titel wie Honor of Kings und Peacekeeper Elite sowie der neu gestartete Shooter Delta Force. Das internationale Spielegeschäft kam auf 14,5 Milliarden RMB und wuchs um 9 Prozent, auf Basis konstanter Wechselkurse sogar um 11 Prozent. Der Bereich Value-Added Services, der Gaming und soziale Netzwerke bündelt, stieg um 9 Prozent auf 82,7 Milliarden RMB. Bereits im Vorjahr hatte Tencent im dritten Quartal 2023 auf das Wachstum seiner Spielesparte verwiesen.
VALORANT erreicht Xbox und PlayStation
Den direkten Konsolenbezug liefert VALORANT. Der Taktik-Shooter des Tencent-Studios Riot Games wurde laut Quartalsbericht von der reinen PC-Plattform auf PlayStation und Xbox ausgeweitet, indem die Konsolenversion in fünf wichtigen internationalen Märkten startete. Tencent beziffert den Effekt mit einem Anstieg der Bruttoeinnahmen des Spiels um mehr als 30 Prozent im Jahresvergleich während des dritten Quartals 2024.
Hinter dieser Zahl steckt die wirtschaftliche Wirkung der Plattformausweitung eines etablierten Free-to-Play-Titels. VALORANT war seit dem Marktstart 2020 ausschließlich auf dem PC verfügbar. Mit dem Schritt auf die aktuellen Konsolen erschließt Riot eine Nutzerbasis, die bislang über kompatible Eingabegeräte und Wettbewerbsintegrität vom PC getrennt blieb. Die mehr als 30 Prozent zusätzlicher Bruttoeinnahmen entstehen dabei nicht aus einem neuen Produkt, sondern aus der Portierung eines bestehenden Live-Service auf zusätzliche Hardware. Wie aktiv Riot seine Marken über klassische Plattformgrenzen hinaus vorantreibt, zeigte zuletzt auch der gemeinsame Auftritt mit KRAFTON, NC und T1 rund um neue PC-Gaming- und KI-Anwendungen.
PC-zu-Konsole als Expansionsmuster bei Riot und Tencent
Der VALORANT-Fall folgt einem breiteren Muster bei Tencent. Im Quartalsbericht verweist der Konzern wiederholt auf langlebige Titel, deren Erlöse durch zusätzliche Inhalte, neue Modi und Plattformausweitung über lange Zeiträume stabil gehalten oder gesteigert werden. Die Verlagerung eines PC-Shooters auf Konsolen folgt demselben Prinzip wie die internationale Vermarktung bestehender Spielwelten. Die Entwicklungskosten der Kernmechanik sind bereits abgeschrieben, während jede neue Plattform die adressierbare Spielerzahl erweitert.
Für das Xbox-Ökosystem bedeutet der Start eine Stärkung des kompetitiven Free-to-Play-Segments, in dem VALORANT auf dem PC eine feste Größe ist. Die Begrenzung auf zunächst fünf internationale Märkte deutet darauf hin, dass Riot die Konsolenversion kontrolliert ausrollt, statt einen globalen Sofortstart zu wählen. Bei Tencent stützt das Vorgehen die Aussage, dass das internationale Spielegeschäft mit konstanten Wechselkursen um 11 Prozent zulegte und damit zu den tragenden Säulen des Quartals zählte.
