Die Godot Foundation und das Entwicklerteam der gleichnamigen Open-Source-Engine haben Godot 4.0 am 1. März 2023 als Stable-Version veröffentlicht. Der Release markiert den Abschluss einer rund vierjährigen Entwicklungsphase, in die nach Angaben des Projekts 12.000 gemergte Pull Requests, 7.000 behobene Issues und 1.500 individuelle Beitragende aus Engine- und Dokumentationsarbeit eingeflossen sind. Die Version durchlief vor der Freigabe 17 Alphas, 17 Betas und sechs Release Candidates.
Godot 4.0 ist kein inkrementelles Update der 2018 erschienenen 3.x-Reihe, sondern eine grundlegende Neufassung weiter Teile des Codes. Das Projekt beschreibt den Release selbst als Beginn der Godot-4-Serie und weist darauf hin, dass Anwender in dieser ersten Stable-Version auf bislang nicht ausgereifte Arbeitsabläufe und auf Fehler stoßen können, die etablierte Workflows unterbrechen. Die bestehende 3.x-Linie wird parallel als Long-Term-Support-Zweig weitergeführt.
Neue Rendering-Architektur auf Vulkan-Basis
Im Zentrum der technischen Überarbeitung steht eine neue Rendering-Architektur. Godot 4.0 bringt zwei Vulkan-Backends mit, eine Clustered- und eine Mobile-Variante, ergänzt um einen OpenGL-basierten Kompatibilitäts-Renderer für ältere Hardware. Der Clustered-Renderer adressiert leistungsfähigere Desktop-Systeme, die Mobile-Variante ist auf mobile GPUs zugeschnitten. Für Windows sowie für Xbox-Plattformen befindet sich zusätzlich ein Direct3D-12-Renderer in Entwicklung, der zum Zeitpunkt des Stable-Release noch nicht abgeschlossen ist.
Über das Rendering hinaus kehrt die hauseigene Physik-Engine als primäre 3D-Lösung zurück und unterstützt nun unter anderem Zylinder-Kollisionsformen, Heightmaps für Terrains sowie SoftBody-Nodes für Stoffsimulationen. Das Animationssystem wurde umfassend neu geschrieben und um Blend-Shape-Tracks, wiederverwendbare Animationsbibliotheken und ein Retargeting-System erweitert, das Animationen auf abweichende Charaktermodelle überträgt.
GDScript-Neufassung und Konsolen-Perspektive
Die hauseigene Skriptsprache GDScript erhielt ein vollständig neu geschriebenes Backend. Zu den Neuerungen zählen ein robusteres statisches Typsystem, First-Class-Funktionen, Lambdas, die Schlüsselwörter await und super sowie eine verbesserte Fehlerausgabe, die mehrere Fehler gleichzeitig anzeigt. Das überarbeitete Typsystem und das neue Backend zielen auf eine bessere Laufzeitperformance und auf eine engere Verzahnung mit dem Editor.
Für den kommerziellen Einsatz bleibt die Konsolenportierung der entscheidende Faktor. Da Godot unter der MIT-Lizenz steht und die Plattform-Toolchains von Konsolenherstellern Vertraulichkeitsauflagen unterliegen, lässt sich der Konsolen-Port nicht offen im Engine-Repository abbilden. Diese Aufgabe übernehmen spezialisierte Drittanbieter und Portierungsdienstleister. Der in Arbeit befindliche Direct3D-12-Pfad ist hier von Bedeutung, da er die technische Grundlage für eine Anbindung an die Xbox-Plattformen schafft. Mit diesen Entwicklungskennzahlen rückt Godot 4.0 näher an etablierte kommerzielle Engines wie Unity heran.
Die Angaben basieren auf der offiziellen Quelle.

