Die zu Amazon gehörende Streaming-Plattform Twitch stellt ihren Betrieb in Südkorea ein. Wie das Unternehmen am 5. Dezember 2023 angekündigt hat, endet das Geschäft im Land zum 27. Februar 2024 (KST). Als Begründung nennt Twitch die Kosten für den Netzbetrieb in Südkorea, die nach Angaben des Unternehmens rund zehnmal höher liegen als in den meisten anderen Märkten. Trotz Maßnahmen zur Kostensenkung sei kein wirtschaftlich tragfähiger Weg für den Weiterbetrieb erkennbar.
Twitch-Chef Dan Clancy führt aus, dass das Unternehmen bereits versucht habe, die Ausgaben zu reduzieren. Dazu zählten ein Modell für Peer-to-Peer-Streaming sowie eine Begrenzung der Videoqualität auf 720p im koreanischen Markt. Beide Schritte hatten nach Darstellung des Anbieters die Verluste nicht in ein nachhaltiges Verhältnis bringen können. Der Betrieb sei somit dauerhaft defizitär geblieben. Clancy beschreibt die Entscheidung als schwierig und verweist auf die Rolle Südkoreas im internationalen E-Sport.
Netzentgelte als Kostentreiber
Im Zentrum der Begründung stehen die in Südkorea geltenden Regeln zu Netzwerkentgelten. Das Land kennt ein System, in dem Inhalteanbieter und Plattformbetreiber gegenüber den Netzbetreibern für die Auslieferung von Datenverkehr zahlen. Twitch beziffert die daraus resultierenden Kosten mit etwa dem Zehnfachen dessen, was in anderen Märkten anfällt. Für eine Live-Streaming-Plattform, deren Geschäftsmodell auf der dauerhaften Übertragung großer Videodatenmengen beruht, wirken solche Entgelte unmittelbar auf die Kostenstruktur. So kann ein einzelnes regulatorisches Detail die Wirtschaftlichkeit eines gesamten Marktes für einen Plattformbetreiber kippen.
Folgen für Streamer und Zuschauer
Mit dem Stichtag 27. Februar 2024 können koreanische Nutzer keine bezahlten Inhalte mehr erwerben, und Streamer aus Südkorea verlieren die Möglichkeit, über Twitch Einnahmen zu erzielen. Das Unternehmen kündigt an, betroffene Creator beim Wechsel zu alternativen Streaming-Diensten im Land zu unterstützen und sich dazu mit anderen Plattformen abzustimmen. Welches Gewicht die koreanische Szene im internationalen Wettbewerb hat, zeigt unter anderem der E-Sport-Markt, der stark auf Live-Plattformen angewiesen ist. Zur näheren Erläuterung war eine öffentliche Fragerunde am 6. Dezember 2023 vorgesehen, jeweils in einer koreanischen und einer global ausgerichteten Sitzung. Für Zuschauer außerhalb Südkoreas bleiben koreanische Inhalte über die Plattform grundsätzlich weiter abrufbar.