Twitch erweitert seine technische Infrastruktur für Livestreams und reagiert damit stärker auf die Nutzung über mobile Endgeräte. Auf der TwitchCon Europe in Rotterdam kündigte die mittlerweile zu Amazon gehörende Plattform unter anderem Dual Format Streaming an. Ab Juni 2026 sollen Creator gleichzeitig im klassischen Querformat und in einer vertikalen Darstellung senden können.
Damit erhalten Smartphone-Nutzer bei vertikaler Haltung des Geräts eine für den Bildschirm optimierte Ansicht, während Zuschauer am Desktop weiterhin das gewohnte 16:9-Format sehen. Twitch nähert sich damit Sehgewohnheiten an, die durch Plattformen wie TikTok, Instagram Reels und YouTube Shorts geprägt wurden, ohne das bestehende Desktop-Erlebnis aufzugeben.
Dual Format Streaming basiert auf Enhanced Broadcasting
Technisch setzt Twitch beim parallelen Hoch- und Querformat auf Enhanced Broadcasting. Dabei werden mehrere Varianten eines Streams clientseitig encodiert und an die Zuschauer ausgeliefert. Die zusätzliche Kodierung kann je nach Setup mehr Last auf dem System des Streamers erzeugen. Twitch will deshalb beim Rollout serverseitiges Transcoding für Partner und viele Affiliates ergänzen, um diese Belastung zu reduzieren.
Spezielle Open-Gate-Kameras sind nach aktuellem Stand keine Voraussetzung für Dual Format Streaming. Für Produktionen, die gleichzeitig Hoch- und Querformat sauber bedienen wollen, können Kameras mit größerer Sensorfläche oder flexibleren Bildausschnitten dennoch Vorteile bieten. Praktisch relevant dürfte das vor allem für Creator sein, die ihre Inhalte stärker plattformübergreifend aufbereiten und Livestreams zugleich für Kurzvideoformate verwerten.
1440p-Streams und höhere Bitraten für Partner und Affiliates
Parallel baut Twitch die Unterstützung für 2K-Streaming aus. Ebenfalls ab Juni 2026 soll 1440p für alle Partner und Affiliates verfügbar werden. Im Rahmen der erweiterten Qualitätsstufen hebt Twitch auch die Bitraten an. Für 1440p nennt das Unternehmen bis zu 9 MBit/s, für 1080p bis zu 7,5 MBit/s.
Gerade bei schnellen Spielen, detailreichen Szenen und Inhalten mit viel Bewegung kann die höhere Auflösung in Verbindung mit der höheren Bitrate sichtbare Vorteile bringen. Für Creator bedeutet das zugleich höhere Anforderungen an Upload-Bandbreite, Encoding-Leistung und ein insgesamt stabiles Produktionssetup.
Automatisierte Zusammenfassungen und Clips
Auch bei Zuschauerfunktionen setzt Twitch stärker auf Automatisierung. Neue Stream Summaries sollen laufende Livestreams kurz zusammenfassen, damit später hinzukommende Zuschauer schneller nachvollziehen können, was im Stream bereits passiert ist.
Zusätzlich arbeitet Twitch an Auto Clips. Die Funktion soll eigenständig Highlights aus Streams generieren und dabei unter anderem Chat-Aktivität, Stimmlage und Ereignisse auf dem Bildschirm berücksichtigen. Die Clips können automatisch mit Untertiteln versehen werden. Twitch sieht darin ein Werkzeug, um Live-Inhalte einfacher für die eigene Plattform und externe Kanäle aufzubereiten.
Weitere Monetarisierungs- und Community-Funktionen
Neben den Video- und Clip-Funktionen kündigte Twitch weitere Änderungen für Creator an. Dazu gehören neue Sponsoring-Möglichkeiten, eine Ausweitung des Bounty Boards auf Affiliates, Gameplay Ads sowie zusätzliche Funktionen rund um Promotions, Drops und Community-Belohnungen.
Für Streamer im Euroraum plant Twitch zudem Änderungen bei SEPA-Auszahlungen. Nach Angaben des Unternehmens sollen Währungsumrechnungsgebühren bei Euro-Auszahlungen entfallen und Transferkosten sinken. Außerdem erweitert Twitch die Plattformfunktionen für Moderation und Community-Strukturen, darunter Verbesserungen bei AutoMod und zusätzliche Unity Guilds.
Mit den Ankündigungen der TwitchCon Rotterdam 2026 rückt Twitch stärker in Richtung hybrider Produktionsabläufe. Livestreams sollen künftig nicht mehr nur für die klassische Desktop-Ansicht optimiert sein, sondern zugleich mobile Nutzung, Kurzvideo-Verwertung und automatisierte Inhaltsaufbereitung berücksichtigen.
