Für ein Startup muss eine Website nicht am ersten Tag auf einer großen Cloud-Infrastruktur laufen. Eine Landingpage, eine Dokumentation oder ein frühes SaaS-Frontend kann zunächst mit einem kostenlosen Dienst auskommen. Trotzdem sollte die Entscheidung nicht nur nach dem Preis fallen. Nutzungsbedingungen, eigene Domains, Builds, Datenbanken, E-Mail, Backups und ein späterer Umzug entscheiden darüber, ob ein Angebot auch nach dem ersten Prototyp noch passt.
Dieser Vergleich betrachtet den Stand vom 14. Juli 2026. Kosten und Freigrenzen ändern sich bei Hosting-Anbietern regelmäßig. Die genannten Werte stammen aus den öffentlich erreichbaren Tarif- und Dokumentationsseiten der Anbieter und sollten vor einer Bestellung noch einmal geprüft werden.
Zuerst die Architektur klären
Ein statisches Projekt besteht im Kern aus fertigen HTML-, CSS- und JavaScript-Dateien. Dazu gehören viele Marketingseiten, Produkt-Landingpages, Portfolios und Dokumentationen. GitHub Pages, Cloudflare Pages und Netlify sind für diese Arbeitsweise interessant, weil Änderungen direkt aus einem Git-Repository gebaut und weltweit über ein CDN ausgeliefert werden können. Ein klassisches Webhosting mit PHP und Datenbank ist dafür nicht zwingend notwendig.
Sobald Benutzerkonten, Zahlungen, sensible Daten, serverseitige Geschäftslogik oder ein Content-Management-System hinzukommen, verschiebt sich die Entscheidung. Dann werden Datenbank, Secrets, Backups, Monitoring und ein belastbarer Support wichtiger als ein kostenloser Deploy. Ein Hosting-Angebot, das nur statische Dateien ausliefert, ersetzt keine vollständige Backend-Infrastruktur.
GitHub Pages: stark für Code, Doku und Prototypen
GitHub Pages ist für öffentliche Repositories im kostenlosen GitHub-Tarif verfügbar und kann eine eigene Domain verwenden. Das passt gut zu Open-Source-Projekten, technischen Dokumentationen, Bewerbungsseiten und einer nichtkommerziellen Produktidee. Der komplette Veröffentlichungsweg bleibt im Repository nachvollziehbar, was Reviews, Pull Requests und automatisierte Builds erleichtert.
Die Grenzen sind für ein Startup wichtig: GitHub nennt für veröffentlichte Pages-Sites ein empfohlenes Repository-Limit von 1 GB, maximal 1 GB für die veröffentlichte Site, ein weiches Bandbreitenlimit von 100 GB pro Monat und ein weiches Limit von zehn Builds pro Stunde. Noch wichtiger ist die Nutzungsregel. GitHub Pages ist laut offizieller Dokumentation nicht als kostenloses Webhosting für ein Onlinegeschäft, E-Commerce oder ein kommerzielles SaaS-Angebot vorgesehen. Für ein internes Demo-Projekt oder eine Open-Source-Dokumentation ist GitHub Pages deutlich passender als für den Verkauf eines Produkts.
Cloudflare Pages: flexibel für kommerzielle Frontends
Cloudflare Pages verbindet Git-Deployments mit dem Cloudflare-Netzwerk. Für ein Startup ist das interessant, wenn eine Landingpage, ein Frontend oder eine statische Webanwendung ohne eigene Server ausgeliefert werden soll. Eigene Domains, Vorschau-Deployments und die Anbindung an weitere Cloudflare-Dienste lassen sich in denselben Account integrieren. Serverseitige Funktionen sind möglich, müssen aber als eigener Verbrauchsposten und nicht als unbegrenztes Gratis-Backend betrachtet werden.
Die aktuellen Limits des Free-Tarifs umfassen unter anderem 500 Builds pro Monat, einen Build gleichzeitig, bis zu 20.000 Dateien pro Site und maximal 25 MiB pro einzelner Datei. Pro Projekt sind bis zu 100 eigene Domains möglich. Diese Grenzen reichen für viele frühe Websites aus. Große Downloads, bildlastige Plattformen und Funktionen mit vielen API-Aufrufen sollten separat geplant werden.
Netlify: einfache Deployments und ein klarer Kostendeckel
Netlify richtet sich ebenfalls an Projekte, die aus einem Git-Repository gebaut werden. Branch-Deployments, Vorschauen und serverlose Funktionen machen den Dienst für Teams interessant, die ohne eigene Server starten möchten. Netlify erklärt in der Beschreibung des Free-Tarifs ausdrücklich, dass auch kommerzielle Projekte unterstützt werden. Damit ist Netlify für eine kleine Produktseite oder einen frühen kommerziellen Webauftritt grundsätzlich besser einzuordnen als ein Gratisangebot mit rein persönlicher Nutzung.
Der aktuelle Free-Tarif arbeitet mit 300 Nutzungspunkten pro Monat. Darin werden unter anderem Produktions-Deployments, Compute, Formularübertragungen, Bandbreite und Webanfragen abgerechnet. Die Nutzung ist nicht automatisch kostenpflichtig: Der Anbieter beschreibt harte Monatsgrenzen für den kostenlosen Tarif. Wird das Limit erreicht, können die Sites pausieren, bis der Abrechnungszeitraum neu beginnt. Für eine kleine Website ist das kalkulierbar, für eine Kampagne mit unbekanntem Traffic sollte ein Ausweichplan bereitliegen.
Vercel: technisch stark, im Free-Tarif nicht für jedes Startup geeignet
Vercel ist besonders eng mit modernen React- und Next.js-Projekten verbunden. Automatische Deployments, Edge-Auslieferung, Vorschau-URLs und serverseitige Funktionen machen die Plattform für Entwicklerteams attraktiv. Für ein persönliches Lernprojekt oder einen nichtkommerziellen Prototypen kann der Hobby-Tarif ausreichen.
Für ein Startup mit bezahltem Produkt ist die Einschränkung des Hobby-Tarifs entscheidend. Vercel beschreibt ihn als Angebot für persönliche, nichtkommerzielle Nutzung. Der Pro-Tarif startet laut Preisseite bei 20 US-Dollar pro Monat und enthält ein Nutzungsguthaben, weitere Ressourcen werden verbrauchsabhängig berechnet. Vercel ist damit nicht automatisch die günstigste Wahl für ein kommerzielles MVP, sondern vor allem dann interessant, wenn Next.js, Edge-Funktionen und die Entwicklererfahrung den Aufpreis rechtfertigen.
Netcup: der günstige Allrounder mit Domain, E-Mail und SSH
Klassisches Webhosting bleibt für viele Startups die praktischere Lösung. Netcup bündelt Webspace, Domain, SSL-Zertifikate und E-Mail in einem Tarif. Beim Webhosting 1000 nennt Netcup aktuell 50 GB SSD-Speicher, SSH-Zugang, SSL-Zertifikate und eine enthaltene .de-Domain oder alternative Domain. Die Preisseite weist dafür derzeit 2,69 Euro pro Monat inklusive Mehrwertsteuer aus. Die tatsächliche Verfügbarkeit einzelner Domains, Aktionen und Preise kann sich ändern.
Für mehrere Projekte oder WordPress ist Webhosting 2000 mit drei .de-Domains beziehungsweise einer Alternative, mehr Speicher und WordPress-Toolkit interessanter. Ab Webhosting 4000 nennt Netcup Ruby und NodeJS als zusätzliche Entwicklungsoptionen. Die Webhosting-Tarife enthalten laut Anbieter den gesamten Traffic ohne separate Traffic-Gebühr. Das macht die Kalkulation einfacher als bei einem rein verbrauchsabhängigen Cloud-Angebot. Gegenüber Pages-Plattformen fallen dafür mehr klassische Administrationsaufgaben an: Updates, Backups, Zugriffsrechte und die Absicherung von WordPress bleiben Teil des Betriebs.
Affiliate-Hinweis: Die Verlinkung zu Netcup kann als Affiliate-Link verwendet werden. Für eine Bestellung kann XboxDev eine Provision erhalten. Der Preis für den Kunden ändert sich dadurch nicht. Vor dem Kauf sollten Tarifdetails, Laufzeit, Verlängerungspreis und Domainkosten geprüft werden.
Freenom und kostenlose Domains: gut für Tests, schlecht als Markenfundament
Eine kostenlose Subdomain wie projekt.pages.dev, projekt.netlify.app oder benutzername.github.io ist für einen Prototypen oft die sauberste Gratislösung. Sie kostet nichts, lässt sich schnell einrichten und benötigt keine zusätzliche Domainverwaltung. Für eine Marke sollte jedoch möglichst früh eine eigene Domain reserviert werden. Die Domain ist unabhängig vom Hoster und erleichtert später den Umzug.
Freenom führt auf seiner Domain-Seite weiterhin kostenlose und kostenpflichtige Domains auf. Gleichzeitig weist die offizielle Dot-TK-Seite auf technische Probleme bei neuen Registrierungen hin. Kostenlose Länderendungen wie .tk, .ml, .ga, .cf oder .gq sind deshalb keine belastbare Basis für eine Startup-Marke. Sie können für einen kurzfristigen Test interessant sein, bringen aber Fragen zu Verfügbarkeit, Verlängerung, Reputation, Support und möglicher Abschaltung mit. Für einen öffentlichen Produktstart ist eine bezahlte Domain bei einem etablierten Registrar die sicherere Entscheidung.
Welche Lösung passt zu welchem Startup?
Landingpage oder Dokumentation: GitHub Pages eignet sich für Open-Source- und nichtkommerzielle Projekte. Cloudflare Pages ist die flexiblere Wahl, wenn die Site kommerziell genutzt wird oder mehr Deployment-Spielraum benötigt.
Kommerzielles MVP ohne Datenbank: Netlify oder Cloudflare Pages bieten einen schnellen Git-Workflow. Netlify ist bei Formularen und Teamfunktionen bequem, Cloudflare Pages bietet hohe Build- und Dateigrenzen für statische Projekte. Die Limits sollten vor einer Marketingkampagne dokumentiert werden.
Next.js-Anwendung: Vercel bietet eine sehr gute Integration, der kostenlose Hobby-Tarif ist für ein kommerzielles Startup aber nicht die passende Grundlage. Ein kostenpflichtiger Tarif oder eine alternative Plattform mit klarer kommerzieller Freigabe gehört in die Kalkulation.
WordPress, E-Mail und mehrere Domains: Netcup ist als klassisches Webhosting meist einfacher zu kalkulieren. Der Tarif enthält die Bausteine, die bei einer reinen Frontend-Plattform zusätzlich organisiert werden müssten. Für ein wachsendes System mit eigener Backend-Logik kann später ein VPS oder eine getrennte Cloud-Infrastruktur sinnvoll sein.
Vor dem Start prüfen
Vor der Entscheidung sollten Startups die kommerzielle Nutzung, die Domainverwaltung, TLS-Zertifikate, Build- und Traffic-Limits, Datenstandort, Datenschutz, Backups, Support und einen möglichen Anbieterwechsel prüfen. Zahlungsdaten und Passwörter gehören nicht in ein statisches Pages-Repository. Secrets müssen in der jeweiligen Deployment-Umgebung oder in einem getrennten Secret-Management liegen.
Die sinnvollste Strategie ist oft ein stufenweiser Aufbau: zunächst eine eigene Domain mit statischem Frontend, danach ein getrenntes Backend und erst bei messbarer Nutzung ein größerer Tarif. So bleibt die Marke unabhängig vom Hoster, während das Team den technischen Betrieb an den tatsächlichen Bedarf anpassen kann. Kostenlos zu starten ist möglich, aber die Exit-Strategie sollte von Anfang an in das Repository, die DNS-Konfiguration und die Datensicherung eingeplant werden.
