Bundesinnenminister Horst Seehofer sieht seine Äußerung zur Gamer-Szene nach dem rechtsextremen Anschlag in Halle bewusst missverstanden. Im Gespräch mit der Augsburger Allgemeinen erklärt Seehofer am 22. Oktober 2019, seine Kritik richte sich nicht gegen Gamer. Der CSU-Politiker hatte zuvor eine stärkere Beobachtung der Szene gefordert.
Seehofer spricht gegenüber der Zeitung von gewolltem Missverstehen. Es gehe darum, Menschen aus der Szene herauszuholen, die Gamer für ihre Zwecke benutzten. „Wir bekämpfen Verbrecher und Rechtsextremisten und nicht die Bürger und nicht die Gamer“, sagt er. Eine Rücknahme der ursprünglichen Aussage oder eine Entschuldigung enthält der Bericht nicht.
Game-Verband fordert gezielte Ermittlungen statt Generalverdacht
Der Branchenverband game hatte am 18. Oktober ein Positionspapier zur Debatte um die Gamer-Szene veröffentlicht. Darin kritisiert er einen Generalverdacht gegen die Games-Community. Sicherheitsbehörden sollten gegen einzelne Personen vorgehen, die sich strafrechtlich relevant äußern oder Plattformen für Straftaten nutzen. Das ist die Position der Branchenvertretung, keine unabhängige Bewertung der Ermittlungen.
Das sechsseitige Papier nennt auch Moderationsmaßnahmen der Anbieter, darunter Meldefunktionen, das Entfernen problematischer Inhalte und Kontosperren. Schutzfunktionen innerhalb von Spielen und Plattformen sind damit ein eigener Teil der Diskussion, getrennt von Seehofers Aussagen über potenzielle Täter.
Microsoft hatte bereits am 14. Oktober vier einstellbare Filterstufen für Textnachrichten auf Xbox Live angekündigt. Die Funktion sollte zunächst private Nachrichten betreffen. Sie ist ein konkretes Beispiel für technische Kommunikationskontrolle, kein Beleg für einen Zusammenhang zwischen Spielen und dem Anschlag in Halle.

