Discord verabschiedet sich von Electron. Der Kommunikationsdienst stellt seinen Desktop-Client vollständig auf die Programmiersprache Rust um. Das hat CTO Stanislav Vishnevskiy in einem Beitrag auf X mitgeteilt. Demnach entfallen Electron und React Native, die mobile App behält ihre native Oberfläche und teilt sich den Anwendungscode mit dem Desktop über Rust.
„Wir sind seit 2018 frühe Anwender von Rust, und ein großer Teil unserer Infrastruktur, unserer Sprachtechnik und sogar ein Teil des aktuellen Clients ist bereits Rust. Der heilige Gral war, den gesamten Client dorthin zu bringen“, schrieb Vishnevskiy. Weiter heißt es: „Das bedeutet, Electron verschwindet, und React Native auch. Mobil behält die native Oberfläche, teilt aber den Anwendungscode mit dem Desktop über Rust.“
290 MB im Windows-Client
Zu dem Beitrag teilte der CTO einen Screenshot des Windows-Clients, der 290 MB Arbeitsspeicher belegt. Ein einzelner Messwert ist keine allgemeine Zusage für alle Systeme und Serverzahlen, zeigt aber die Größenordnung, um die es Discord geht. Electron-Apps gelten generell als vergleichsweise speicherhungrig.
Electron bündelt für jede Anwendung eine eigene Chromium- und Node-Laufzeit. Das macht Desktop-Apps mit Web-Oberfläche schnell entwickelbar, kostet aber Arbeitsspeicher und Ladezeit. Discord gehörte zu den bekanntesten Vertretern dieses Ansatzes. Mit einem nativen Client entfällt diese zusätzliche Laufzeit.
Rust gilt wegen seiner Speicherverwaltung als vergleichsweise sicher gegen bestimmte Klassen von Speicherfehlern. Für einen Client, der Sprachverbindungen, Video und Dateizugriff verwaltet, ist das ein relevanter Punkt. Ob und wie stark sich die Sicherheit im Betrieb tatsächlich verbessert, lässt sich ohne Prüfung der neuen Fassung nicht belegen.
Zeitplan und offene Fragen
Einen Termin für den vollständigen Wechsel nennt Vishnevskiy nicht. Er schreibt, das Unternehmen hoffe, die neue Fassung bald mit Nutzern zu testen. Ob die Tests öffentlich oder über ein Insider-Programm laufen, bleibt offen.
Discord ist für viele Spielgemeinschaften der zentrale Sprachkanal. Ein nativer Client könnte Funktionen ermöglichen, die mit der Web-Laufzeit aufwendig sind, etwa eine eigene Audioverarbeitung oder eine räumliche Wiedergabe. Angekündigt hat Discord solche Funktionen mit dem Wechsel nicht. Teamspeak setzt seit Jahren auf einen nativen Client und wirbt unter anderem mit geringem Ressourcenverbrauch. Der Abstand zwischen beiden Ansätzen dürfte mit der neuen Fassung kleiner werden, ein direkter Vergleich steht aber aus.

