Ibo Mazari unterscheidet in einem Fachbeitrag vom 2. November 2026 zwischen spielerischer Arbeitgeberkommunikation und diagnostischen Auswahltests. Ein ansprechend gestalteter Bewerbungsprozess sei noch kein Nachweis dafür, dass ein Verfahren berufliche Eignung zuverlässig vorhersagt. Die von ihm herangezogenen Studien zeigen sowohl brauchbare Zusammenhänge als auch Grenzen solcher Tests.
In seinem Grundlagenbeitrag zu Gamification beschreibt Mazari die Übertragung einzelner Spielprinzipien auf andere Prozesse. Ein vollständiges Serious Game ist davon zu unterscheiden. Für die Entwicklung bedeutet das eine frühe Zweckentscheidung: Soll eine Anwendung den Arbeitsalltag verständlich zeigen, zum Mitmachen motivieren oder eine bestimmte Fähigkeit messen? Fortschrittsanzeigen und Punktwerte beantworten diese Frage noch nicht.
Spielwerte und kognitive Fähigkeit sind nicht gleichzusetzen
Eine Meta-Analyse von Tanja Bipp und Mitautoren aus dem Dezember 2024 umfasst 52 Stichproben aus 44 Arbeiten mit mehr als 6.100 Erwachsenen. Zwischen spielbezogenen Messwerten und herkömmlichen Tests kognitiver Fähigkeiten ergibt sich im Mittel eine Korrelation von 0,30, nach Korrektur der Messungenauigkeit 0,45. Die Ergebnisse unterscheiden sich erheblich zwischen den Untersuchungen. Die Autoren sehen einen Zusammenhang, aber keine Gleichwertigkeit der Verfahren.
Marie Luise Ohlms, Annika Hohner und Klaus G. Melchers untersuchten 2025 in einer Studie mit 156 Berufstätigen und 92 potenziellen Bewerbern ein konkretes spielbasiertes Verfahren. Dessen Testwerte hingen positiv mit schulischen Leistungen zusammen. Häufigere Videospielnutzung ging zugleich mit besseren Spieltestwerten, aber schwächeren schulischen Leistungen einher. Die Autoren sehen darin einen Hinweis auf mögliche Verzerrung. Der Zusammenhang mit der von Vorgesetzten bewerteten Arbeitsleistung war klein und statistisch nicht signifikant.
Die Untersuchung betrifft ein bestimmtes Verfahren und belegt keine pauschale Untauglichkeit spielbasierter Tests. Sie zeigt, warum Entwickler Vorerfahrung mit Spielen und die eigentlich gewünschte Messgröße getrennt prüfen müssen. Die Übertragung von Spielewissen auf andere Arbeitsbereiche ist auch Thema der für Oktober 2026 angekündigten Gamification Week. Bei Bewerbertests kommt zur Gestaltung einer verständlichen Anwendung die empirische Prüfung ihrer Aussagekraft hinzu.

