Nordische Spieleentwicklung: Warum Supercell, Mojang und Rovio kein Zufall sind

Schweden und Finnland haben mit einer Gesamtbevoelkerung von unter 16 Millionen Menschen Studios wie Supercell, Rovio, Mojang und DICE hervorgebracht. Zusammen stehen diese vier Unternehmen fuer Titel wie Clash of Clans, Angry Birds, Minecraft und Battlefield. Will Luton, Gruender der Management-Beratung Department of Play und Berater fuer SEGA, Rovio und Jagex, hat die strukturellen Faktoren hinter diesem Phaenomen untersucht und seine Analyse auf GamesIndustry.biz veroeffentlicht.

Beschaeftigtenschutz als Innovationsfaktor

Luton nennt den starken gesetzlichen Kuendigungsschutz in den nordischen Laendern als einen der wichtigsten Faktoren. Anders als in den USA, wo Employment-at-will auch kurzfristige Entlassungen ohne Begruendung erlaubt, koennen nordische Beschaeftigte Fehlentscheidungen ihres Managements ansprechen, ohne die eigene Stelle zu riskieren. Dieses Klima, das Luton als „Psychological Safety“ beschreibt, foerdere offenere Diskussionen und ehrlicheres Feedback – was sich laut Luton direkt auf Produktentscheidungen auswirke. Teams wuerden Probleme fruehzeitig benennen, statt sie aus Angst vor Konsequenzen zu ignorieren.

Wissensaustausch statt Konkurrenzdenken

Auf der RovioCon 2017 beschrieb Supercell-CEO Ilkka Paananen, wie die fruehen Gruender der Helsinki-Studios sich regelmaessig zusammenfanden – nicht als Konkurrenten, sondern als Netzwerk. Apple-Kontakte wurden geteilt, Daten zu User-Acquisition-Kanaelen ausgetauscht, Erkenntnisse zu Monetarisierung und Tech-Stacks offengelegt. Luton sieht darin ein Gegenmodell zum „Stealth Startup“-Ansatz, der in anderen Entwicklungszentren dominiert. Das kollektive Ziel sei der Erfolg des gesamten Clusters gewesen, nicht der Vorsprung des eigenen Studios.

Bildung, Klima und die Demoscene als Grundlage

Ein OECD-Bericht aus 2010 platzierte Finnland auf dem zweiten Gesamtrang im globalen Bildungsvergleich. Kostenfreie Bildung von der Kita bis zur Hochschule, fruehe Einbindung von Informatik in den Lehrplan und ein paedagogischer Fokus auf Kooperation statt Wettbewerb habe eine Generation gut ausgebildeter Entwicklerinnen und Entwickler erzeugt. Dazu kommt ein klimatischer Faktor: Lange, dunkle Winter haben laut Luton in den 1980er und 1990er Jahren lokale Computernetzwerke und grosse LAN-Partys wie Dreamhack gefoerdert. Viele spaetere Mojang-Mitarbeiter lernten sich bei solchen Veranstaltungen kennen, Rovio entstand aus dem Nokia-gesponsortem Assembly-Demeparty-Umfeld.

Der erste Erfolg von Studios wie Supercell und Rovio zog Risikokapital in die Region, das wiederum neue Studios finanzierte. Heute betreiben beide Unternehmen eigene Fonds und sind an Ausgliederungen aus ihrem eigenen Umfeld beteiligt. Lutons Analyse erschien im September 2019 auf GamesIndustry.biz als Teil der Reihe „What We Can Learn From…“

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