GameStop-CEO George Sherman hat sich im September 2019 während eines Earnings Calls zuversichtlich geäußert, dass das Unternehmen bei den physischen Spieleverkäufen zur kommenden Konsolengeneration – darunter Microsofts Project Scarlett und Sonys PlayStation 5 – weiterhin eine bedeutende Rolle spielen werde. Der Call fand im Rahmen der Veröffentlichung der Q2-2019-Ergebnisse statt, in denen GameStop einen weltweiten Umsatzrückgang von 14 Prozent auf 1,3 Milliarden US-Dollar meldete.
Auf die Frage nach der erwarteten Aufteilung zwischen physischen und digitalen Spielen im kommenden Konsolenzyklus antwortete Sherman laut dem Analysetransskript von Seeking Alpha, er rechne mit einem „Mix aus physischen und digitalen Spielen“. Beide Formate würden gleichzeitig erscheinen, wie es auch in der aktuellen Generation der Fall sei. „Unsere Annahme ist, dass wir an beiden Geschäften beteiligt sein werden“, so Sherman. CFO Jim Bell ergänzte, dass sowohl Microsoft als auch Sony bereits bestätigt hätten, dass ihre neuen Konsolen ein physisches Laufwerk erhalten und abwärtskompatibel sein würden – was aus Sicht des Einzelhändlers potenziell weitere Verkäufe der aktuellen Spielegeneration sichert.
Sherman räumte dabei ein, dass GameStop historisch physische gegenüber digitalen Spielen bevorzugt habe, kündigte aber einen Kurswechsel an: Das Unternehmen wolle künftig „agnostisch“ agieren und dem Kunden die Wahl zwischen beiden Formaten überlassen. Die digitalen Verkaufsprozesse sollen laut Sherman vereinfacht und stärker in das bestehende Filialnetz integriert werden. Gleichzeitig verwies er auf den nach wie vor „sehr, sehr bedeutenden“ Marktanteil bei physischen Spielen.
Im Hintergrund der Aussagen stand der erhebliche Druck auf das Geschäftsmodell des Spieleeinzelhändlers. Electronic Arts hatte kurz zuvor gemeldet, dass fast die Hälfte der Verkaufseinheiten im ersten Fiskalquartal bereits digital abgewickelt worden seien. GameStop verbuchte für das zweite Quartal 2019 einen Nettoverlust von 415,3 Millionen US-Dollar – nach einem Verlust von 24,9 Millionen US-Dollar im Vorjahreszeitraum. Das Unternehmen kündigte außerdem die Schließung von bis zu 200 Filialen an.
Für die Handelsbranche rund um Konsolenspiele stellte der bevorstehende Generationswechsel zu Xbox Series X (damals noch als Project Scarlett bekannt) und PlayStation 5 damit eine doppelte Herausforderung dar: einerseits die strukturell wachsende Konkurrenz durch digitale Direktvertriebskanäle der Plattformhersteller, andererseits das typische Verkaufstief am Ende eines Hardware-Zyklus.

