Diese Tage feiern mehrere Medien und Unternehmen den 60. Geburtstag von COBOL. Das Jubiläum wird an der Namensgebung festgemacht, die im September 1959 ihren Ursprung hat, und an den Grundzügen der Syntax, die damals festgelegt wurden. Auch 2019 läuft Code der Common Business Oriented Language in zahlreichen betriebswirtschaftlichen Anwendungen.
Für die Geburtsstunde einer Programmiersprache gibt es unterschiedliche Interpretationen. Bereits am 28. und 29. Mai 1959 traf sich das Short Range Committee der Conference on Data Systems Languages (CODASYL) im Pentagon in Washington D.C. Schon im April 1959 hatte Mary K. Hawes mehrere Informatiker zu diesem Treffen eingeladen, um eine Computersprache für betriebswirtschaftliche Aufgaben zu entwickeln. Ein Jahr später legte das Komitee mit COBOL-60 die erste offizielle Beschreibung der Sprache vor.
Von Assembler zur meistgenutzten Sprache
COBOL entstand aus dem Wunsch nach hardwareunabhängigen Anwendungen für die Betriebswirtschaft. Die meisten Systeme wurden damals direkt in Assembler programmiert. Das junge Fortran deckte mit numerischen und Formelberechnungen andere Aufgaben ab. Zentral war für die Schöpfer um Grace Hopper die Bewältigung großer Datenmengen und kaufmännischer Software, nicht die technisch-wissenschaftliche Programmierung.
Die Verbreitung folgte schnell: 1970 war COBOL die meistgenutzte Programmiersprache, auch weil Unternehmen wie IBM vorrangig COBOL-Code einsetzten. Anfangs war die Sprache rein imperativ und wurde später um Eigenschaften strukturierter, prozeduraler und objektorientierter Programmierung erweitert. Die derzeit aktuelle Standardversion ist COBOL 2014, genauer ISO/IEC 1989:2014. Mit den Features moderner Sprachen und zeitgemäßen Entwicklungsprinzipien kann COBOL dabei nicht mithalten.
Warum der Code trotzdem weiterläuft
Dass COBOL nach sechs Jahrzehnten weiterhin produziert, liegt vor allem an den historisch gewachsenen Systemen. Für viele Unternehmen ist es teuer und riskant, gewachsene betriebswirtschaftliche Anwendungen zu ersetzen. Der Code bleibt deshalb in Betrieb, obwohl nur noch wenige Entwickler die Sprache beherrschen. Wie stark spezialisierte Kenntnisse alter Plattformen den Nachwuchs betreffen, zeigte sich zuletzt beim Tod des Atari-ST-Programmierers Steve Bak: Beide Fälle erzählen von einer Generation Programmierer, die ihr Wissen über Hardware und Sprachen der siebziger und achtziger Jahre trug.

