Knapp jeder vierte Internetnutzer in Deutschland (24 Prozent) ist bereits mindestens einmal Opfer von Kriminalität im Internet geworden. Das ist das zentrale Ergebnis des ersten Digitalbarometers, einer repräsentativen Bürgerbefragung des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes (ProPK), die am 9. September 2019 auf dem Vernetzungstag des BSI in Berlin vorgestellt wurde. Für die Erhebung hatte Ipsos Public Affairs im April 2019 rund 2.000 deutschsprachige Internetnutzer zwischen 16 und 69 Jahren befragt.
Zu den häufigsten Straftaten unter den Betroffenen zählen Betrug beim Onlineshopping (36 Prozent), Phishing beim Ausspionieren vertraulicher Daten (28 Prozent) und Schadsoftware-Angriffe durch Viren oder Trojaner (26 Prozent). In 18 Prozent der Fälle ging es um Identitätsdiebstahl, je 13 Prozent berichteten von Cybermobbing und Erpressersoftware. Insgesamt machen sich laut Studie 82 Prozent der Befragten Sorgen um die eigene Sicherheit im Netz.
Schutzmaßnahmen bleiben lückenhaft
Die Studie zeichnet ein differenziertes Bild des Sicherheitsverhaltens: 61 Prozent nutzen Antivirenprogramme, 58 Prozent geben an, sichere Passwörter zu verwenden. Die sofortige Installation verfügbarer Updates setzt jedoch nur gut jeder Dritte (36 Prozent) um, die Verschlüsselung der eigenen E-Mails nutzt kaum jeder Fünfte (19 Prozent). Nur 31 Prozent der Betroffenen erstatteten Anzeige bei der Polizei. Für 2018 weist die Polizeiliche Kriminalstatistik rund 272.000 Straftaten mit Tatmittel Internet aus, acht Prozent mehr als im Vorjahr, bei einer Aufklärungsquote von knapp 38 Prozent. Das Bundesinnenministerium vermutet ein großes Dunkelfeld.
Jüngere setzen Sicherheitsempfehlungen seltener um
Besonders häufig treffen Cyberdelikte jüngere Nutzer. Das erklärt sich laut Studie nicht nur durch die intensivere Onlinenutzung, sondern auch durch eine sorglosere Haltung: Setzen von den 60- bis 66-Jährigen fast die Hälfte (49 Prozent) aktuelle Sicherheitsempfehlungen sofort um, ist es bei den 16- bis 29-Jährigen nur etwa jeder Vierte (26 Prozent). Positiv hob BSI-Vizepräsident Gerhard Schabhüser bei der Vorstellung die Entwicklung beim Online-Banking hervor: Die dort verbreitete Zwei-Faktor-Authentifizierung habe zu einer deutlichen Verbesserung der Sicherheit geführt.
Die Ergebnisse fließen in die gemeinsame Präventionsarbeit von BSI und Polizei ein, die künftig stärker mehrfach Betroffene und konkrete Hilfe zur Selbsthilfe in den Blick nehmen will. Die vollständige Studie als {pdf} dokumentiert zudem, dass sich nur jeder Dritte regelmäßig über Internetsicherheit informiert. Für die Spiele- und IT-Branche sind die Zahlen relevant, weil jüngere Nutzer hier die wichtigste Zielgruppe sind; {nca} hatte bereits 2017 beschrieben, dass Online-Gaming für manche Täter ein früher Berührungspunkt mit cyberkriminellen Techniken sein kann.

