Team Vitality hat die Plünderung seines Pariser Standorts V.Hive am 17. Oktober 2026 bestätigt. Nach Angaben der E-Sport-Organisation wurden Schaufenster zerstört sowie Pokale und Computerausrüstung gestohlen. Der Club meldet keine verletzten Mitarbeitenden oder Fans.
V.Hive bleibt zunächst geschlossen, bis das gesamte Schadensausmaß erfasst ist. Eine Schadenssumme, einen Termin für die Wiedereröffnung oder eine vollständige Liste der fehlenden Pokale nennt Team Vitality in der Mitteilung nicht. Dass sämtliche Trophäen oder die gesamte Ausstattung verschwunden seien, lässt sich daraus nicht ableiten.
V.Hive verbindet Gaming-Café, Shop und Clubbüros
Der rund 400 Quadratmeter große Standort am Boulevard de Sébastopol vereint laut offizieller Beschreibung Büros, ein Gaming-Café, einen Coffeeshop und einen Fanshop. Auch Trainings- und Veranstaltungsflächen gehören zum Konzept. Der Angriff trifft damit nicht nur Verkaufsware, sondern einen physischen Treffpunkt der E-Sport-Community.
Zum sportlichen Betrieb der Organisation gehören unter anderem die Vitality Rising Bees, die den Equal Esports Cup auf der gamescom 2026 gewannen. Über mögliche Auswirkungen der Schäden auf einzelne Mannschaften oder deren Trainingsbetrieb macht der Club bislang keine Angaben.
Team-Vitality-CEO unterscheidet Protest und Plünderung
Mitgründer und CEO Fabien „Neo“ Devide hatte bereits am Abend des 17. Oktober persönlich auf die Verwüstung von V.Hive reagiert. Er beschreibt den Ort als ein aus seiner eigenen Cybercafé-Erfahrung entstandenes Projekt. Gaming-Sessions hätten seit der Eröffnung unverändert 3,50 Euro pro Stunde gekostet, um auch Jugendlichen mit wenig Geld Zugang zu ermöglichen.
Devide betont zugleich das Recht auf Demonstrationen. Seine Kritik richtet sich gegen Plünderung und Zerstörung, nicht pauschal gegen Menschen, die für ihre Überzeugungen protestieren. Für ihn steht V.Hive auch für Begegnungen abseits des Bildschirms.
Auch Spiele- und Sammlerläden am Boulevard Voltaire betroffen
Über V.Hive hinaus nennt 3DJuegos unter Berufung auf einen Bericht von Le Parisien mehrere betroffene Pariser Fachgeschäfte: Manga Story, Hobby One Repar und Sat Elite am Boulevard Voltaire. Der Bericht beschreibt gestohlene Retrospiele, Sammelkarten und Figuren sowie beschädigte Läden. Diese Angaben stammen aus der Medienberichterstattung; eigene Schadensaufstellungen der Geschäfte liegen der Redaktion nicht vor.
Das verbreitete Micromania-Foto stammt aus Nizza
Nicht alle kursierenden Bilder zeigen Paris. Ein verbreitetes Foto eines Mannes vor einem beschädigten Spieleladen trägt selbst die Ortsangabe „Nice, France“. France 3 berichtet über die betroffene Micromania-Filiale an der Avenue Jean-Médecin in Nizza und sprach mit ihrem Leiter. Die Aufnahmen dürfen deshalb nicht als Beleg für einen weiteren angegriffenen Pariser Games-Shop verwendet werden.
Laut AFP und BFMTV wurden am 17. Oktober Geschäfte in mehreren französischen Städten geplündert. Der Bericht nennt auch Micromania in Lyon. Eine abschließende landesweite Bestandsaufnahme betroffener Gaming-Unternehmen liegt damit noch nicht vor.
Politische Zuordnung der Angreifer auf V.Hive bleibt offen
Die Ausschreitungen ereigneten sich im Umfeld von Protesten gegen die hohen Lebenshaltungskosten. AFP/BFMTV gibt die Einschätzung des französischen Innenministeriums wieder, wonach in Lyon, Nantes und Rennes sogenannte Blackblöcke aus dem ultralinken Spektrum beteiligt gewesen seien. Das ist keine gesicherte Zuordnung der Personen, die V.Hive angriffen. Auch die vorliegenden Videos erlauben keinen belastbaren Schluss auf ihre politische Zugehörigkeit.

