Seit AMDs Vorstellung der Ryzen-3000-Prozessoren am 7. Juli 2019 häufen sich Berichte von Nutzern, deren CPUs die offiziell angegebenen Boost-Taktraten nicht erreichen. Die Frequenzen stellen laut AMD das obere Ende dessen dar, was ein Prozessor unter optimalen Bedingungen auf einem einzelnen Kern erzielen kann. Praktisch zeigt sich aber, dass viele Chips deutlich darunter bleiben.
Der deutsche Übertakter und YouTuber Roman „der8auer“ Hartung wertete eine eigene Umfrage mit rund 2.600 Teilnehmern aus. Ziel war es, den maximalen Einzelkern-Boost im Cinebench R15 zu ermitteln, also genau die Last, unter der ein Kern laut AMD die Spitzenfrequenz erreichen soll. Das Ergebnis: Nur 38 der 674 getesteten Ryzen 9 3900X näherten sich tatsächlich den beworbenen 4,6 GHz. Die meisten Exemplare blieben zwischen 4,5 und 4,575 GHz.
Je höher der beworbene Boost-Takt ausfällt, desto häufiger verfehlen die CPUs ihr Ziel. Der Ryzen 5 3600 mit 4,2 GHz schneidet dabei vergleichsweise gut ab. Beim Ryzen 7 3700X, Ryzen 7 3800X und Ryzen 9 3900X sieht es deutlich schlechter aus. Der YouTube-Kanal Hardware Unboxed testete denselben Ryzen 7 3800X auf 14 verschiedenen Mainboards und maß dabei Einzelkern-Boosts zwischen 4,37 und 4,55 GHz, was bei einigen Platinen sogar über den beworbenen 4,5 GHz lag. Gleichzeitig zeigen der8ауers Daten Schwankungen auch zwischen baugleichen Boards desselben Typs.
Marketing-Kommunikation und Firmware-Problem
Die Diskussion dreht sich weniger um die Alltagsperformance als um AMDs Kommunikation. Bei der Vorgängergeneration Ryzen 2000 war AMD noch für eher konservative Angaben bekannt. Für die Ryzen-3000-Reihe wirkte AMD-Manager Robert Hallock in einem offiziellen YouTube-Video zum aktualisierten Precision Boost Overdrive aktiv an der Erwartungshaltung mit: Er deutete an, der Boost-Takt lasse sich spielend um 200 MHz anheben, was bei einem Ryzen 9 3900X rund 4,75 GHz ergäbe. Praktisch funktioniert das so nicht.
AMD reagierte auf die öffentliche Debatte und identifizierte ein Firmware-Problem, das in bestimmten Situationen den Boost-Takt mindert. BIOS-Updates sollen das Problem beheben. AMD wies gleichzeitig darauf hin, dass der tatsächlich erreichbare Boost-Takt von vielen Variablen abhängt. Der praktische Einfluss auf die Spieleleistung bleibt gering, weil Spieletitel typischerweise mehr als einen Kern auslasten und der Unterschied von ein bis fünf Prozent Einzelkernleistung im Alltag kaum spürbar ist.
