Netgear Nighthawk RS300 im Test: Hohe Wi-Fi-7-Performance nach Reifeprozess der Software

Der Nighthawk RS300 liefert als Tri-Band-Wi-Fi-7-Router eine sehr hohe Funkleistung im Nah- und Mittelbereich und bietet eine praxisgerechte Multi-Gig-Portausstattung. Schwachpunkte liegen weniger in der Hardware als im Ökosystem: Abo-Dienste (Netgear Armor/Kindersicherung), eine teils werbliche Nutzerführung der Oberfläche sowie Telemetrie-/Analytics-Mechaniken in der Router-Administration hinterlassen einen Datenschutz-Beigeschmack. Zudem ist die Preispositionierung für den deutschen Markt ambitioniert – insbesondere, weil kommende FRITZ!Box-Modelle in ähnlichen Preisregionen Modem-Funktionalität und in Teilen ein breiteres „All-in-One“-Feature-Set bieten.

Der RS300 positioniert sich als Wi-Fi-7-Einstieg in Netgears Nighthawk-Portfolio: Tri-Band (2,4/5/6 GHz), 2×2-MIMO je Band, 320-MHz-Kanalbreite im 6-GHz-Band und Multi-Gig-Ethernet. Netgear zielt damit auf Haushalte und kleine Arbeitsumgebungen, in denen hohe WLAN-Spitzenraten (z. B. für lokale Transfers, Cloud-Workflows, Game-Downloads oder Streaming in hoher Bitrate) wichtiger sind als integrierte Modem-Features.

Design, Verarbeitung, Anschlüsse

Der RS300 setzt auf das typische Nighthawk-Design (Desktop-Tower), lüfterlos und damit akustisch unauffällig. Entscheidend ist die Rückseite:

  • 1× 2,5-GbE-WAN
  • 2× 2,5-GbE-LAN
  • 2× 1-GbE-LAN
  • 1× USB-A 3.0 (Storage/Sharing)
Netgear Nighthawk RS300 in der Rückansicht mit den Anschlüssen - Bild: Netgear
Netgear Nighthawk RS300 in der Rückansicht mit den Anschlüssen – Bild: Netgear

Damit ist der Router für viele moderne Setups ausreichend flexibel: Ein 2,5-GbE-Uplink Richtung ONT/Modem, plus zwei 2,5-GbE-Downlinks für NAS/Workstation oder Konsole/PC mit Multi-Gig-NIC. Für reine Gigabit-Haushalte bleibt die Hardware überdimensioniert, bietet aber Reserve für künftige Tarife und lokale Datenpfade.

Einrichtung und Bedienung

Erster Eindruck (Launch-Firmware): „Mehr Ökosystem als Router“

In frühen Softwareständen fiel auf, dass die Router-Administration stark auf App-Pfad, Cloud-Integration und Zusatzdienste ausgerichtet war. In der Praxis wirkte das Setup teilweise wie ein Funnel in Richtung Premium-Services, weniger wie eine fokussierte Netzwerk-Konfiguration. Das ist nicht ungewöhnlich im Consumer-Segment, beim RS300 war die Gewichtung jedoch auffällig – insbesondere in Kombination mit Telemetrie-/Analytics-Elementen in der Verwaltungsoberfläche (hier wurden u. a. Google-Analytics-Mechaniken beobachtet).

Drei Monate später: Firmware-Reife sichtbar

Mit späteren Firmwareständen wurde das Gesamtbild deutlich runder. Netgear dokumentiert mit Version 1.0.1.60 unter anderem die Integration/Anpassung von „Advanced Router Protection“ sowie weitere Korrekturen. In der Praxis wirkt die Administration strukturierter, und zentrale Router-Funktionen stehen klarer im Vordergrund.

Unterm Strich zeigt sich ein typisches Muster moderner Netzwerktechnik: Hardware ist beim Marktstart oft bereits „fertig“, die Software braucht mehrere Iterationen, bis sie dem Anspruch der Zielgruppe gerecht wird.

WLAN-Technik: Wi-Fi 7 in der Praxis

Tri-Band inklusive 6 GHz – klarer Vorteil gegenüber „Wi-Fi-7-light“

Während einige Wi-Fi-7-Modelle (z. B. bestimmte Kabel-Router-Implementierungen) auf 6 GHz verzichten und Wi-Fi 7 nur auf 2,4/5 GHz abbilden, setzt der RS300 als Tri-Band-Gerät explizit auf 6 GHz. Das ist im anspruchsvollen Umfeld ein zentraler Vorteil: weniger Störungen, größere Kanäle (bis 320 MHz) und potenziell höhere Netto-Durchsätze. Zum Vergleich: AVM weist bei der FRITZ!Box 6670 Cable Wi-Fi 7 auf zwei Bändern aus (2,4/5 GHz) und verzichtet auf 6 GHz. (Connect)

Durchsatz und Reichweite: sehr stark nah bis mittel, deutlicher Abfall am Rand

Messungen zeigen beim RS300 sehr hohe Werte in kurzer Distanz: Im Nahbereich wurden über Wi-Fi 7 rund 1,18 Gbit/s erreicht; bei 5 Metern lagen die Werte noch im Bereich um 1,02 Gbit/s. Bei größerer Distanz fällt der Durchsatz in den Messungen hingegen deutlich ab (Beispiel: 10 Meter ~134 Mbit/s).

Diese Charakteristik ist für 2×2-Designs nicht untypisch: Der Router kann sehr hohe Spitzen liefern, ist aber weniger als „Flächenversorger“ ausgelegt. Für größere Wohnungen/Häuser oder schwierige Grundrisse ist die Architektur in der Regel mit einem Mesh-Ansatz oder strategisch platzierten Access Points erfolgreicher als mit „One Router to rule them all“.

Latenz/Spielbetrieb

Für Gaming-Szenarien zählt weniger der Spitzendurchsatz als Stabilität, niedrige Latenz und konsistente Jitter-Werte. Der RS300 liefert hier vor allem dann einen Mehrwert, wenn

  • 6-GHz-WLAN nutzbar ist (weniger Interferenzen),
  • Multi-Gig-Backhaul zu NAS/PC besteht (lokale Transfers ohne WLAN-Bottleneck),
  • oder mehrere Endgeräte parallel hohe Bandbreiten ziehen (Downloads/Updates/Streaming).

Die Messwerte deuten auf einen Router, der in „near-router“ Setups seine Stärken ausspielt – etwa im Arbeitszimmer/Medienraum, wo Konsole/PC, NAS und AP-Standort nahe beieinander liegen.

Funktionen, Sicherheit und Abo-Modell

Die App zu Steuerung, in der Abbildung die RS700, identisch zu RS300 - Bild: Netgear
Die App zu Steuerung, in der Abbildung die RS700, identisch zu RS300 – Bild: Netgear

Netgear Armor und Kindersicherung

Netgear koppelt Sicherheits- und Jugendschutzfunktionen in der Consumer-Linie teils an Abos. Armor wird als 30-Tage-Test angeboten, danach fällt eine Jahresgebühr an; die Kindersicherung ist ebenfalls kostenpflichtig.

Das ist strategisch nachvollziehbar, hat aber eine klare Auswirkung auf die Kaufentscheidung: Der Routerpreis bildet nicht zwingend die Vollkosten über den Lebenszyklus ab. Für Fachanwender ist vor allem relevant, welche Schutzfunktionen ohne Abo verfügbar sind (klassische Firewall/NAT, Port-Forwarding, DNS-Konfiguration, VLAN/Segmentierung – soweit angeboten) und welche in den bezahlten Layer wandern.

Telemetrie/Analytics in der Router-Oberfläche

Im Test fiel auf, dass die Verwaltungsoberfläche Analytics-/Tracking-Elemente enthält, die im Kontext eines lokalen Netzwerkgeräts mindestens erklärungsbedürftig sind. Auch wenn solche Mechaniken oft primär der Produktverbesserung dienen, entstehen daraus zwei praktische Fragen:

  1. Welche Daten werden wann übertragen (und an wen)?
  2. Welche Kontrollmöglichkeiten existieren (Deaktivierung/Opt-out)?

Selbst bei vorhandenen Deaktivierungsoptionen bleibt ein Reputationsrisiko, weil Router typischerweise als Infrastruktur-Komponente wahrgenommen werden – und nicht als „App-Plattform“.

DNS und DynDNS: kleiner Stolperstein mit realen Folgen

Ein konkreter Praxis-Pain-Point bleibt die DNS-/DynDNS-Handhabung. In Community-Berichten werden Probleme rund um Dynamic-DNS-Updates und Host-Validierung beschrieben. Das wirkt im Alltag besonders dort, wo Fernzugriff, Self-Hosting oder Remote-Services benötigt werden.

Für Zielgruppen, die aus beruflichen Gründen Remote-Zugriffe, Entwicklungsumgebungen oder Heimlabore betreiben, ist das keine Randnotiz, sondern eine funktionale Kernanforderung.

Technische Daten

  • WLAN-Standard: Wi-Fi 7 (802.11be), Tri-Band (2,4/5/6 GHz)
  • Klasse: BE9300 (aggregierte Bruttodatenrate)
  • MIMO: 2×2 je Band
  • Ports: 1× 2,5-GbE-WAN; 2× 2,5-GbE-LAN; 2× 1-GbE-LAN; USB-A 3.0

Preis / Leistung

In Deutschland wird der RS300 je nach Händler und Aktionslage sichtbar oberhalb dessen positioniert, was viele Käufer als „Wi-Fi-7-Einstieg“ erwarten. Preisvergleiche listen den Router in der Regel im Bereich ab etwa 250 Euro, häufig aber deutlich darüber.

Das Preis/Leistungs-Urteil hängt daher stark vom Alternativszenario ab:

  • Pro RS300: Tri-Band inkl. 6 GHz, Multi-Gig-Ports, sehr hohe Nahbereichsleistung, sinnvoll für schnelle lokale Datenpfade und störärmere 6-GHz-Zonen.
  • Contra RS300: Kein integriertes Modem, Zusatzkosten durch Abo-Features, Telemetrie-/Analytics-Beigeschmack, DNS/DynDNS-Thema.

Gerade in Deutschland ist der „kein Modem“-Punkt kaufentscheidend: AVM plant bzw. positioniert Wi-Fi-7-FRITZ!Boxen explizit als Modem-Router-Kombinationen (z. B. 5690 Pro mit DSL- und Glasfaser-Modem; 6670 Cable als DOCSIS-3.1-Kabelrouter). In dieser Logik konkurriert der RS300 weniger gegen reine Router, sondern gegen integrierte Plattformen, die für viele Haushalte den ONT/Bridge-Zwischenschritt ersparen.

Verfügbarkeit

Der RS300 ist breit im Handel verfügbar, typischerweise über gängige Online-Retailer sowie Netzwerk-Spezialisten. Die konkrete Preisstreuung ist marktbedingt hoch; kurzfristige Promotions verschieben die Attraktivität stärker als bei klassischer Router-Mittelklasse.

StorePreis
Netgear249,99 €
Amazon249,99 €
MediaMarkt349,99 €

Fazit

Der Netgear Nighthawk RS300 ist ein leistungsstarker Wi-Fi-7-Router, dessen Hardware-Fundament überzeugt: Tri-Band inklusive 6 GHz, Multi-Gig-Ethernet und sehr hohe Durchsatzwerte im Nahbereich sprechen für ambitionierte Setups mit schnellen lokalen Datenpfaden und hoher Endgeräte-Dichte.

Der Reifeprozess der Software ist jedoch Teil der Produktgeschichte. Nach mehreren Firmware-Iterationen wirkt die Bedienung deutlich besser ausbalanciert, dennoch bleiben strukturelle Kritikpunkte: Abo-Monetarisierung, DNS/DynDNS-Unsauberkeiten und der anhaltende Beigeschmack rund um Telemetrie-/Analytics in einem Infrastrukturgerät.

In der Gesamtwertung entsteht ein klarer Anwendungspfad: RS300 ist dort stark, wo ein externes Modem/ONT ohnehin vorhanden ist und das Ziel maximale WLAN-Performance auf kurzer bis mittlerer Distanz ist. Für den deutschen Massenmarkt – mit hoher FRITZ!Box-Durchdringung und dem Wunsch nach Modem-All-in-One – ist die Preispositionierung schwieriger zu rechtfertigen, zumal AVM Wi-Fi-7-Geräte mit integrierten Modems bereits rollt bzw. angekündigt hat.

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