Kinder, die in einer US-Langzeitstudie überdurchschnittlich viel Videospiele spielten, zeigten nach zwei Jahren einen etwas höheren Anstieg ihrer kognitiven Testwerte. Das Karolinska Institutet stellte die Ergebnisse am 17. Mai 2022 vor. Die Studie belegt allerdings keine direkte Ursache-Wirkung-Beziehung zwischen Spielzeit und Intelligenz.
Fast 10.000 Kinder über zwei Jahre beobachtet
Für die Untersuchung werteten Forschende Daten von 9.855 Kindern aus dem US-amerikanischen Adolescent Brain Cognitive Development Study aus. Die Kinder waren zu Beginn neun oder zehn Jahre alt. Rund 5.000 nahmen zwei Jahre später erneut an kognitiven Tests teil. Zusätzlich erfassten die Forschenden, wie viel Zeit die Kinder mit Videospielen, Fernsehen und sozialen Medien verbrachten.
Kinder aus der Gruppe mit überdurchschnittlicher Spielzeit erzielten beim zweiten Test einen durchschnittlichen Zuwachs von etwa 2,5 IQ-Punkten gegenüber dem Mittelwert. Fernsehen und soziale Medien zeigten in der Auswertung keinen vergleichbaren positiven oder negativen Zusammenhang mit der Veränderung der Testwerte. Die Ergebnisse wurden in Scientific Reports veröffentlicht.
Keine Aussage über Ursache und Spielinhalte
Die Studie beobachtete das Medienverhalten der Kinder und wies ihnen keine bestimmte Spielzeit oder bestimmte Spiele zu. Deshalb lässt sich aus den Daten nicht ableiten, dass Videospiele den IQ unmittelbar erhöhen. Möglich sind auch andere Erklärungen, etwa Unterschiede bei Interessen, familiärem Umfeld oder der Auswahl der gespielten Titel.
Die Forschenden weisen außerdem darauf hin, dass die Untersuchung keine Genres unterschied. Der gemessene Zusammenhang beschreibt daher die Spielzeit insgesamt und nicht den Effekt eines bestimmten Spieldesigns. Für die Games-Branche liefert die Arbeit dennoch Daten zur Diskussion über die kognitiven Auswirkungen digitaler Spiele, ersetzt aber keine pädagogische oder medizinische Bewertung einzelner Kinder.

