Sony Interactive Entertainment hat am 31. Januar 2022 die Übernahme des Studios Bungie für 3,6 Milliarden US-Dollar angekündigt. In der genannten Gesamtsumme sind sowohl der Kaufpreis als auch zugesagte Mitarbeiteranreize enthalten. Bungie, bekannt als Erfinder der Halo-Reihe und Entwickler des Online-Shooters Destiny 2, wird damit eine Tochtergesellschaft von Sony Interactive Entertainment. Der Abschluss der Transaktion erfolgte im Sommer 2022.
Bemerkenswert an der Struktur des Deals ist der Anteil, der für die Bindung des Personals reserviert ist. Sony rechnet damit, dass mindestens 1,2 Milliarden US-Dollar der Gesamtsumme als Anreize zur Bindung der aktuellen Bungie-Belegschaft eingesetzt werden. Dieser Betrag, der rund ein Drittel der Gesamtsumme ausmacht, besteht im Wesentlichen aus aufgeschobenen Zahlungen an Anteilseigner unter den Mitarbeitenden, die an deren fortgesetzte Beschäftigung gekoppelt sind. Die Konstruktion zielt darauf ab, das kreative Kernteam des Studios langfristig zu halten.
Unabhängig und plattformübergreifend
Im Gegensatz zu den vorausgegangenen Akquisitionen von Microsoft positioniert Sony die Übernahme ausdrücklich als Erhalt der Eigenständigkeit. Bungie soll als unabhängige Tochtergesellschaft fortbestehen, die Fähigkeit zur Selbstpublikation behalten und Spieler weiterhin über mehrere Plattformen hinweg erreichen. SIE-Chef Jim Ryan erklärte, man verstehe, wie wichtig die Community für das Studio sei, und wolle Bungie bei seiner unabhängigen Ausrichtung unterstützen. Bungie-Chef Pete Parsons bezeichnete Sony als Partner, der die Vision des Studios voll mittrage und beschleunigen wolle.
Diese Festlegung auf Multiplattform-Fähigkeit unterscheidet die Bungie-Übernahme deutlich von der Strategie des Wettbewerbers. Während Microsoft mit ZeniMax und der angekündigten Activision-Blizzard-Akquisition auf die Bindung von Inhalten an das eigene Ökosystem setzt, bleiben Destiny und künftige Bungie-Titel zunächst plattformübergreifend verfügbar. Sony Group CEO Kenichiro Yoshida verwies darauf, dass Bungie einige der weltweit beliebtesten Videospielmarken geschaffen habe und weiterentwickle.
Bedeutung für das Konsolen-Wettrüsten
Aus Xbox-Sicht ist die Übernahme aus mehreren Gründen relevant. Bungie war mit der Halo-Reihe über Jahre einer der prägenden Entwickler für die Xbox-Plattform, bevor sich das Studio trennte und die Marke bei Microsoft verblieb. Mit dem Wechsel zu Sony bindet sich ein einst zentraler Xbox-Partner nun an den direkten Konkurrenten. Der Deal fiel zudem in eine Phase intensiver Konsolidierung der Branche, nur wenige Tage nach der Ankündigung des Microsoft-Activision-Geschäfts.
Für Sony stand weniger ein exklusiver Inhaltsfundus im Vordergrund als vielmehr Bungies Kompetenz im Betrieb von Live-Service-Spielen. Die Erfahrung mit dem dauerhaften Betrieb und der Monetarisierung von Destiny gilt als zentrales Motiv, da Sony eigene Ambitionen im Bereich der dienstebasierten Spiele verfolgt. Dass auch Microsoft ein solches Modell prüfte, zeigte sich später an Berichten über ein mögliches Halo-MMO im Stil von Destiny 2. Die Transaktion zeigt damit zwei unterschiedliche Ansätze im Wettbewerb der Plattformanbieter: die Sicherung exklusiver Inhalte auf der einen und der Erwerb operativer Expertise unter Wahrung der Plattformoffenheit auf der anderen Seite.