Erste KI-Klausel der Gameindustrie: ZeniMax und Microsoft vereinbaren Mitsprache bei KI-Einsatz am Arbeitsplatz

Die Gewerkschaft ZeniMax Workers United-CWA und der Microsoft-Konzern haben am 30. Mai 2025 eine Einigung über den ersten Tarifvertrag der Belegschaft erzielt, die als erste Bargaining-Unit bei einem großen US-Technologiekonzern und als erste in der Videospielindustrie eine ausgehandelte Regelung zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz am Arbeitsplatz enthält. Der Vertrag erfasst mehr als 300 Beschäftigte aus der Qualitätssicherung des Microsoft-Tochterunternehmens ZeniMax, vertreten durch die CWA Locals 2100, 2108 und 6215 in Maryland und Texas. Die Ratifizierung erfolgte ohne Streik, rund zwei Jahre nach Gründung der Gewerkschaft im Jahr 2023.

Vertraglich geregelter KI-Einsatz

Kern der Vereinbarung ist eine Klausel, die ZeniMax auf einen menschen-augmentierenden Einsatz von KI festlegt. Das Unternehmen verpflichtet sich, KI-Werkzeuge so einzusetzen, dass sie die menschliche Kreativität und die Fähigkeiten der Beschäftigten erweitern und Produktivität, Weiterentwicklung sowie Arbeitszufriedenheit fördern, ohne den Beschäftigten zu schaden. Konkret sieht die Regelung vor, dass ZeniMax die Gewerkschaft vorab informiert, wenn die Einführung von KI die Arbeit von Gewerkschaftsmitgliedern berühren kann, und auf Verlangen über die Folgen verhandelt. Damit erhält die Belegschaft ein Mitspracherecht, bevor entsprechende Systeme zum Einsatz kommen. Nach Darstellung der Gewerkschaft handelt es sich um einen rechtsverbindlichen Präzedenzfall, der über das Studio hinaus auf die Tech- und Gameindustrie ausstrahlen kann.

Fremdvergabe und Vertragsinhalte

Neben der KI-Regelung adressiert der Vertrag den Umgang mit Fremdvergabe. 77 über Microsoft beschäftigte Vertragskräfte wurden in die Bargaining-Unit aufgenommen, davon werden 23 in unbefristete Vollzeitstellen überführt und 54 als befristet Beschäftigte angestellt. Schon zuvor hatte eine Arbeitsneutralitätsvereinbarung zwischen Microsoft und der CWA die ZeniMax-Belegschaft einbezogen. Für diese Gruppe entstehen unter anderem bezahlte Feiertage und bezahlte Krankheitstage sowie Lohnerhöhungen und mehr Beschäftigungssicherheit. Die gemeinsame Vertretung von Vertragskräften und Stammbelegschaft in einer Einheit gilt als selten, da Unternehmen eine Verantwortung für subcontracted Workers in der Regel nicht anerkennen. Der Gesamtvertrag umfasst zudem eine flächendeckende Lohnerhöhung, neue Mindestgehälter für Neueinstellungen, einen Schutz vor willkürlicher Kündigung und die vollständige Nennung der QA-Beschäftigten in den Credits der Titel.

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