Die bei SEGA of America organisierte Belegschaft hat ihren ersten Tarifvertrag ratifiziert. Die Communications Workers of America (CWA) teilten mit, dass die Allied Employees Guild Improving SEGA (AEGIS-CWA) das Abstimmungsverfahren am 26. März 2024 abgeschlossen hat. Damit verfügt nach Angaben der Gewerkschaft erstmals eine Belegschaft in der US-Spielebranche über einen kollektiv ausgehandelten Vertrag. AEGIS-CWA ist die zweite Spiele-Gewerkschaft in Nordamerika mit einem ratifizierten Tarifvertrag.
Die Vertretung umfasst rund 150 fest und befristet beschäftigte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den Standorten Burbank und Irvine. Dazu zählen unter anderem Designer, Übersetzer, Lektoren, Produzenten, QA-Tester sowie Mitarbeitende aus dem Marketing. Die Beschäftigten hatten sich am 10. Juli 2023 mit 91 zu 26 Stimmen für die gewerkschaftliche Organisation entschieden. Der nun ratifizierte Vertrag schließt das daran anknüpfende Verhandlungsverfahren ab.
Löhne, Kündigungsschutz und Abfindungen
Der Vertrag sieht festgeschriebene Lohnerhöhungen für alle Beschäftigten der Einheit vor. Bis dahin waren Anhebungen nach Darstellung der CWA uneinheitlich und häufig von Titel oder Abteilung abhängig. Hinzu kommen kodifizierte Jahresboni, Regelungen zur Altersvorsorge, zur Krankenversicherung, zur Elternzeit sowie eine erweiterte Freistellung im Trauerfall. Eine Zusage zur hybriden Arbeit und Vorgaben zur korrekten Nennung aller Mitwirkenden in den Spiele-Credits, einschließlich früh beteiligter QA-Tester, sind ebenfalls Teil der Vereinbarung.
Im Mittelpunkt stehen zudem Schutzregeln bei Entlassungen. Der Vertrag definiert Abfindungen bei dauerhaften Stellenabbauten sowie Rückrufrechte bei befristeten Freistellungen. Bei den jüngsten Entlassungen sicherte AEGIS-CWA nach eigenen Angaben für betroffene Beschäftigte Abfindungen im Umfang von acht bis 14 Wochen, gestaffelt nach Betriebszugehörigkeit. Nach Angaben der Gewerkschaft konnte über die Verhandlungen die doppelte Zahl an Stellen erhalten werden; rund 18 Beschäftigte blieben so im Unternehmen. Eine vorgeschriebene Vorlaufzeit vor externer Neuausschreibung räumt früheren Mitgliedern ein vorrangiges Recht zur Wiederbewerbung ein.
Erster Tarifvertrag als Vorlage für die US-Spielebranche
Der Abschluss führt erstmals eine Tarifbindung in einer Branche ein, die in den vergangenen Jahren von umfangreichen Entlassungen geprägt war. Die festgelegten Abfindungs- und Rückrufregeln verschieben das Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Belegschaft hin zu vertraglich abgesicherten Ansprüchen, die zuvor im Ermessen des Unternehmens lagen. Just-Cause-Klauseln gegen willkürliche Disziplinarmaßnahmen und ein paritätisch besetzter Ausschuss für Fragen wie den Einsatz von KI ergänzen die finanziellen Bestandteile. Für weitere Organisierungsbestrebungen in der nordamerikanischen Spieleindustrie schafft der Vertrag eine konkrete Verhandlungsgrundlage. Auch andernorts formieren sich Belegschaften: So gründeten zuletzt Rockstar-Beschäftigte eine eigene Gewerkschaft.
