Das Münchner Entwicklerstudio Mimimi Games, verantwortlich für die Echtzeit-Stealth-Strategiespiele Shadow Tactics: Blades of the Shogun, Desperados III und Shadow Gambit: The Cursed Crew, stellt den Betrieb ein. Die Gründer Dominik Abe und Johannes Roth haben die Schließung am 29. August 2023 in einem offenen Brief angekündigt. Demnach war das im August 2023 veröffentlichte Shadow Gambit das letzte Spiel des Studios. Als Gründe nennen die beiden Firmenchefs steigende Produktionskosten, unzureichende Umsätze und die persönliche Belastung nach 15 Jahren ununterbrochener Studioarbeit. Schon früher hatte sich Mimimi gern direkt an die Community gewandt, etwa im Developer Chat auf Discord.
In der Mitteilung beschreiben die Gründer ein wirtschaftliches Grundproblem ihres Geschäftsmodells. Die künftigen Produktionskosten wüchsen schneller als die möglichen Einnahmen, wodurch der finanzielle Druck und das unternehmerische Risiko nicht länger tragbar gewesen seien. Hinzu komme ein Markt, der als extrem wettbewerbsintensiv beschrieben wird. Die Steuerung einer Produktion in der Größenordnung von Shadow Gambit habe sich in Kombination mit diesem Marktumfeld als zu zehrend erwiesen.
Wirtschaftlicher Druck trotz kritischen Erfolgs
Mimimi galt als eines der wenigen deutschen Studios mit international anerkannter Premium-Produktion. Shadow Tactics erschien 2016 und wurde mit dem Deutschen Computerspielpreis sowie weiteren Auszeichnungen bedacht, Desperados III folgte 2020 als Lizenzfortsetzung der THQ-Marke. Wer das Genre noch nicht kennt, fand bei uns einen frühen Einstieg über Shadow Tactics. Trotz positiver Kritiken trug die Refinanzierung das Studio nach eigener Darstellung nicht über die wachsenden Budgets hinaus. Die Gründer verweisen auf einen Dauerzustand seit 2011, in dem nach jeder Veröffentlichung unmittelbar die Suche nach Finanzierung des nächsten Projekts begann, ohne nennenswerte Ruhephasen.
Neben der finanziellen Komponente führen Abe und Roth eine persönliche an. Die Aufgabe, internen Ansprüchen an die Qualität gerecht zu werden und zugleich für die jungen Familien verfügbar zu sein, sei zunehmend schwer auszubalancieren gewesen. Die anderthalb Jahrzehnte Studiogeschichte hätten einen hohen persönlichen Tribut von ihnen und ihren Familien gefordert. Diese Mehrfachbelastung nennt der Brief als Mitauslöser der Entscheidung.
Bonus für die Belegschaft und ein offenes Ende
Für die Mitarbeitenden hat der Start von Shadow Gambit eine unmittelbare finanzielle Folge. Dem Brief zufolge kann das Studio dank des jüngsten Launches allen Angestellten einen Bonus auszahlen, der die berufliche Übergangsphase abfedern soll. Damit endet die Tätigkeit des Teams nicht ohne eine Abfederung, auch wenn der Studiobetrieb selbst ausläuft.
Bemerkenswert bleibt der Widerspruch zwischen handwerklicher Anerkennung und wirtschaftlicher Tragfähigkeit. Ein kritisch gefeiertes Studio mit eigener Engine-Kompetenz und klar umrissenem Genre-Profil konnte am Ende nicht überleben, obwohl seine Titel als hochwertig galten. Die im Brief skizzierte Schere zwischen wachsenden Produktionskosten und begrenztem Absatzpotenzial im Nischen-Genre der Echtzeit-Taktik benennt eine strukturelle Frage für Premium-Produktionen abseits der großen Verlagshäuser. Für die deutsche Spieleentwicklung ist das Aus von Mimimi ein schmerzhafter Verlust.
