TCLs AR-Marke RayNeo hat ihre Datenbrille X3 Pro auf der IFA 2025 in Berlin vorgestellt und das Modell als Ausgangspunkt für räumliche AR-Anwendungen positioniert. Das Gerät wiegt nach Herstellerangaben 76 Gramm und bringt mit Tracking in sechs Freiheitsgraden (6DoF) eine Funktion mit, die für Entwickler von spatialen Erlebnissen und Gaming-Prototypen relevant ist. Auf der Messe wurde die Brille im Innovationsprogramm der IFA prämiert.
Das 6DoF-Tracking erlaubt laut RayNeo eine präzise Interaktion mit digitalen Objekten im physischen Raum. Anders als reine Anzeigebrillen mit drei Freiheitsgraden erfassen 6DoF-Systeme zusätzlich die Position des Trägers im Raum, womit sich digitale Inhalte ortsfest verankern lassen. Ergänzt wird das System durch Szenen- und Gestenerkennung, mit der die Brille ihre Umgebung interpretiert. Eine Navigationsanzeige blendet Richtungsangaben direkt in das Sichtfeld ein, ein eingebauter KI-Assistent liefert Dienste wie Live-Übersetzungen und Transkriptionen in Echtzeit. Wie sich solche Alltags- und Gaming-Funktionen in der Praxis anfühlen, zeigte auf derselben Messe der Praxistest der Rokid Glasses.
Hardware-Basis und Plattform
Technisch setzt die X3 Pro auf die Snapdragon-AR1-Plattform und damit auf eine für Datenbrillen ausgelegte Recheneinheit. Das Tracking in sechs Freiheitsgraden ist mit SLAM-Verfahren kombiniert, die eine simultane Lokalisierung und Kartierung der Umgebung ermöglichen. RayNeo nennt für die Anbindung an die Software-Werkzeuge die Nutzung von Unity ARDK sowie eines Android-ARDK, womit räumliche Positionierung und Umgebungsabbildung in eigene Anwendungen einfließen können. Die Verbindung zum Smartphone erfolgt über Bluetooth, sodass Anrufe und Benachrichtigungen auf der Brille verfügbar sind.
Für die Bildausgabe verweist der Hersteller auf eine eigene optische Engine mit binokularer Darstellung. Die Brille kann nach Angaben von RayNeo zudem aufzeichnen, was der Träger sieht, und dabei eine kombinierte Ansicht aus AR-Inhalten und physischer Umgebung erfassen. Diese Aufnahmefunktion adressiert Anwendungsfälle, in denen Entwickler oder Tester die Überlagerung von virtuellen und realen Elementen dokumentieren wollen.
Relevanz für Entwickler räumlicher Anwendungen
Mit der Kombination aus 6DoF-Tracking, Gestenerkennung und einem geringen Gewicht von 76 Gramm zielt die X3 Pro auf einen Einsatzbereich, in dem bislang vor allem deutlich schwerere Mixed-Reality-Headsets verbreitet sind, wie sie etwa die Meta Quest 3S Xbox Edition repräsentiert. Für das Prototyping spatialer Erlebnisse und von Gaming-Konzepten ergibt sich daraus ein Gerät, das längere Tragezeiten erlaubt und zugleich die räumlichen Sensordaten liefert, die solche Anwendungen voraussetzen. Die Verfügbarkeit der Werkzeuge für Unity und Android bestimmt dabei, wie schnell sich vorhandene Engine-Kenntnisse auf die Plattform übertragen lassen.
Ein früherer Beitrag zu RayNeo Air 2s und X2 liefert zusätzlichen technischen und geschäftlichen Kontext.
