Am 20. April 2021 hat das DirectX-Team von Microsoft das DirectX 12 Agility SDK vorgestellt. Das Paket trennt die Verfügbarkeit von DirectX-12-Funktionen von den Update-Zyklen des Betriebssystems. Spieleentwickler können damit aktuelle Grafikfunktionen in ihre Titel einbauen, ohne dass die Kundschaft ihr Windows zuvor auf eine bestimmte Funktionsstufe heben muss. Auf der Spielerseite reicht Windows 10 ab dem November 2019 Update.
Funktionsumfang vom Betriebssystem getrennt
Bisher hingen neue DirectX-12-Funktionen an den Windows-Funktionsupdates. Der volle Funktionsumfang von DirectX 12 Ultimate etwa lief vorher nur auf Geräten mit dem Mai 2020 Update. Über das Agility SDK lässt sich dieser Umfang jetzt auf deutlich mehr Rechnern ansprechen, denn als Mindestanforderung genügt bereits das November 2019 Update. Entwickler binden das SDK direkt in ihre Anwendung ein und liefern die jeweils nötigen DirectX-Komponenten mit dem Spiel aus. Auf eine systemweite Bereitstellung durch das Betriebssystem müssen sie also nicht mehr warten.
Den Einstieg beschreibt das DirectX-Team in einem Getting-Started-Guide, der Download liegt unter aka.ms/directx12agility bereit. Microsoft nennt mehrere Studios, die hinter dem Ansatz stehen. Epic Games erklärt, das Modell erleichtere die Umsetzung vorausschauender Unreal-Engine-Funktionen. 343 Industries führt als Vorteil an, dass aktuelle DirectX-Funktionen bei nahezu allen PC-Spielern laufen. Turn 10 Studios verweist auf eine schnellere Übernahme der jeweils neuesten DirectX-12-Funktionen.
Shader Model 6.6 als erstes Beispiel
Wie die neue Auslieferungslogik in der Praxis aussieht, zeigt das DirectX-Team an Shader Model 6.6. Die Funktion ist so frisch, dass ihre Unterstützung auf dem regulären Weg erst mit dem nächsten Windows-10-Funktionsupdate käme. Über das Agility SDK lässt sie sich nach Angaben des Teams schon vor diesem OS-Release nutzen. Damit ist Shader Model 6.6 das erste einer Reihe von Features, die künftig über das Agility-Modell verteilt werden sollen, noch bevor das passende Betriebssystem-Update erscheint. Für die Gameentwicklung verschiebt sich der Bezugspunkt für neue Grafikfunktionen damit vom Windows-Release zur jeweiligen Spielversion.