Beschäftigte von Rockstar Games haben die Rockstar Game Workers Union gegründet. Die neue Gewerkschaft ist als Teilorganisation der Independent Workers’ Union of Great Britain angesiedelt und tritt in einer Phase an die Öffentlichkeit, in der zwischen Rockstar, dessen Mutterkonzern Take-Two Interactive und der IWGB weiterhin rechtliche Auseinandersetzungen laufen.
Die Rockstar Game Workers Union, kurz RGWU, teilte laut GamesIndustry.biz mit, bereits im vergangenen Jahr für eine öffentliche Vorstellung vorbereitet gewesen zu sein. Zu diesem Zeitpunkt habe die Organisation nach eigenen Angaben die Schwelle von zehn Prozent Gewerkschaftsmitgliedern erreicht. Kurz darauf entließ Rockstar mehr als 30 Beschäftigte in Großbritannien und Kanada. Das Unternehmen begründete die Kündigungen mit der Verbreitung vertraulicher Informationen in einem öffentlichen Forum. Die IWGB bezeichnete die Vorgänge dagegen als gewerkschaftsfeindliche Maßnahme.
Konflikt um Discord-Server und Entlassungen
Im Zentrum der Auseinandersetzung steht ein Discord-Server, der von der IWGB verwaltet wurde. Rockstar und Take-Two werfen den betroffenen Beschäftigten vor, dort vertrauliche Informationen diskutiert oder verbreitet zu haben. Rockstar erklärte bereits früher, die Kündigungen hätten nicht mit dem Recht auf gewerkschaftliche Organisierung oder Gewerkschaftsaktivitäten zu tun gehabt.
Die IWGB widerspricht dieser Darstellung. Nach Angaben der Gewerkschaft handelte es sich um einen geschützten Austausch über Arbeitsbedingungen und interne Abläufe. In früheren Stellungnahmen sprach die Organisation von einem der deutlichsten Fälle von Union Busting in der britischen Games-Branche. Die Entlassungen führten zu Protesten an mehreren Standorten, internationaler Berichterstattung und formalen rechtlichen Schritten gegen Rockstar.
Die juristische Auseinandersetzung läuft weiter. Bereits im Januar 2026 fand eine vorläufige Anhörung vor einem britischen Arbeitsgericht statt. Dabei wurde ein Antrag auf einstweilige Wiedereinstellung beziehungsweise interim relief für die entlassenen Beschäftigten abgelehnt. Das Gericht kam zu diesem Zeitpunkt nicht zu dem Schluss, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit die Gewerkschaftsmitgliedschaft der Hauptgrund für die Kündigungen gewesen sei. Die Hauptverhandlung soll laut Gewerkschaft im weiteren Jahresverlauf folgen.
Gewerkschaft überschreitet Schwelle erneut
Trotz der Kündigungen sieht die RGWU ihre Position gestärkt. Nach Darstellung der neuen Gewerkschaft wurde die Zehn-Prozent-Schwelle nach den Entlassungen erneut überschritten. Seitdem seien weitere Beschäftigte an britischen Rockstar-Standorten beigetreten. Die Organisation stellt ihre Gründung damit ausdrücklich in den Kontext der laufenden Auseinandersetzung um Arbeitsrechte, Vertraulichkeitspflichten und gewerkschaftliche Organisierung in der Spieleentwicklung.
Take-Two Interactive äußerte sich gegenüber GamesIndustry.biz nicht zur Gründung der RGWU. Rockstar hatte die Vorwürfe der Gewerkschaft in früheren Stellungnahmen zurückgewiesen und betont, dass Vertraulichkeit ein zentraler Bestandteil der Unternehmensarbeit sei. Besonders bei noch nicht veröffentlichten Projekten ist der Umgang mit internen Informationen für große Studios ein sensibles Thema. Gleichzeitig gewinnt die Frage, wie Beschäftigte über Arbeitsbedingungen sprechen und sich organisieren können, in der internationalen Games-Branche weiter an Bedeutung.
Der Fall wird auch deshalb aufmerksam verfolgt, weil Rockstar mit Grand Theft Auto VI an einem der wirtschaftlich wichtigsten Spieleprojekte der kommenden Jahre arbeitet. Die Auseinandersetzung betrifft damit nicht nur einen einzelnen arbeitsrechtlichen Konflikt, sondern auch den Umgang großer Publisher und Studios mit gewerkschaftlichen Strukturen in einer Branche, in der organisierte Arbeitnehmervertretungen bislang weniger etabliert sind als in anderen Industriezweigen.
