HoYoverse plant Milliardeninvestitionen in eigene KI-Infrastruktur

HoYoverse will seine Entwicklungsstrategie in den kommenden Jahren deutlich stärker auf künstliche Intelligenz ausrichten. Laut einem Bericht von GameLook plant der Publisher hinter Genshin Impact, Honkai: Star Rail und Zenless Zone Zero, innerhalb von drei Jahren bis zu 100 Milliarden Yuan, umgerechnet rund 14,6 Milliarden US-Dollar, in KI-Technologien zu investieren. Die Angaben sollen im Rahmen einer nicht öffentlichen Technologie- und Recruiting-Veranstaltung am 15. Mai 2026 in Peking gemacht worden sein.

Fokus auf eigene Systeme statt externe Modelle

Nach den vorliegenden Informationen geht es HoYoverse nicht allein um den Einsatz bestehender KI-Werkzeuge in der Produktion. Das Unternehmen will ein eigenes KI-Ökosystem aufbauen, zu dem GPU-Cluster, Trainingssysteme und eine eigene Anwendungsarchitektur gehören sollen. Damit würde HoYoverse stärker auf eine vertikale Integration setzen, statt zentrale Bestandteile der KI-Infrastruktur vollständig über externe Anbieter abzudecken.

Für die Spieleentwicklung könnten solche Systeme vor allem in Bereichen relevant werden, in denen große Mengen an Inhalten, Verhaltensdaten und Live-Service-Prozesse zusammenlaufen. Genannt werden unter anderem KI-gestützte NPC-Systeme, Automatisierung in der Produktion, Content-Erstellung und dynamische Live-Service-Umgebungen. Für ein Unternehmen mit langfristig betriebenen Spielen wie Genshin Impact und Honkai: Star Rail wäre der Einsatz solcher Werkzeuge vor allem dort naheliegend, wo wiederkehrende Produktionsprozesse, Lokalisierung, Testabläufe, Balancing und Event-Strukturen skaliert werden müssen.

Petit Planet als mögliches Anwendungsfeld

Ein konkreter Bezug wird zu Planet Hoyoverse hergestellt. Das kommende Life-Simulation-Spiel von HoYoverse wird offiziell als „cosmic life sim“ positioniert und ist bereits zur Vorregistrierung gelistet. Laut den Berichten sollen KI-gestützte NPCs in diesem Projekt eine wichtige Rolle einnehmen.

Gerade Life-Simulationen gelten als naheliegendes Testfeld für KI-Systeme, da wiederkehrende Routinen, soziale Interaktionen, prozedurale Inhalte und langfristige Spielerbindung eng miteinander verbunden sind. Ob HoYoverse hier vor allem auf Dialogsysteme, Verhaltenssimulationen, dynamische Tagesabläufe oder produktionsseitige KI-Werkzeuge setzt, ist bislang nicht im Detail bekannt.

KI-Strategien gewinnen in der Spieleindustrie an Bedeutung

HoYoverse steht mit dieser Ausrichtung nicht allein. Krafton hatte bereits 2025 angekündigt, sich als „AI-first Company“ neu auszurichten. Der südkoreanische Publisher plante dabei unter anderem Investitionen von rund 100 Milliarden Won in einen GPU-Cluster sowie zusätzliche jährliche Ausgaben für KI-Werkzeuge ab 2026. Ziel ist laut Krafton eine stärkere Automatisierung interner Prozesse sowie der Ausbau von KI-gestützten Entwicklungs- und Spieldiensten. (Chosunbiz)

Der Unterschied liegt allerdings im Umfang. Während Kraftons öffentlich kommunizierte Infrastruktur-Investitionen im zweistelligen Millionenbereich in US-Dollar liegen, bewegt sich die von HoYoverse berichtete Planung mit bis zu 14,6 Milliarden US-Dollar in einer deutlich größeren Größenordnung. Eine solche Summe würde HoYoverse näher an Infrastruktur- und Grundlagenfragen heranführen, die bisher vor allem von großen Technologieunternehmen, Cloud-Anbietern und KI-Spezialisten geprägt werden.

Bedeutung für HoYoverse

Für HoYoverse könnte die KI-Offensive mehrere Funktionen erfüllen. Einerseits würde das Unternehmen seine Produktionspipelines absichern, die bei global betriebenen Live-Service-Spielen mit hoher Content-Frequenz unter dauerhaftem Skalierungsdruck stehen. Andererseits könnte eine eigene KI-Infrastruktur helfen, sich von Wettbewerbern abzugrenzen, die inzwischen ähnliche Produktionsstandards im Anime-, Open-World- und Service-Game-Segment erreichen.

Offen bleibt, wie weit HoYoverse tatsächlich in Richtung eigener Basismodelle gehen will. Der Aufbau von GPU-Clustern und Trainingssystemen deutet auf eine deutlich ambitioniertere Strategie hin als der reine Einsatz externer Tools. Gleichzeitig sind Infrastruktur, Rechenkapazität, Talentgewinnung und langfristige Finanzierung in diesem Bereich zentrale Faktoren. Für ein Spieleunternehmen wäre ein solcher Schritt nicht nur eine technische Erweiterung, sondern auch eine organisatorische Verschiebung in Richtung KI-getriebener Produkt- und Plattformentwicklung.

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