Ein Marketing-Analysewerkzeug namens Red Shell löste im Juni 2018 eine Datenschutzdebatte in der Spielebranche aus. Die offizielle Mitteilung im Steam-Newsbereich von Kerbal Space Program beschreibt die Software als Dienst zur Messung von Werbekampagnen und nennt mehrere Spiele, in denen sie entdeckt worden war.
Red Shell sollte nachvollziehbar machen, ob ein Spieler zuvor mit einer Anzeige oder einem Stream in Kontakt gekommen war und anschließend das Spiel kaufte. Nach Angaben des Anbieters wurden dafür unter anderem Betriebssystem, Browserversion, Bildschirmauflösung, IP-Adresse, Schriftprofile und eine interne Spielerkennung verarbeitet. Die IP-Adresse wurde laut der damaligen Beschreibung vor der Übertragung einseitig gehasht.
Kritik an fehlender Transparenz
Die Kritik richtete sich weniger gegen die Zuordnung von Werbekontakten als gegen die Art der Einbindung. Spieler fanden die Software in Installationen, ohne beim Start des jeweiligen Spiels ausdrücklich darüber informiert zu werden. Studios verwiesen darauf, dass Red Shell keine Namen, E-Mail-Adressen oder Daten über mehrere Spiele hinweg sammeln sollte. Mehrere Entwickler kündigten trotzdem die Entfernung an.
Die Debatte folgte kurz nach dem Inkrafttreten der Datenschutz-Grundverordnung. Bereits zuvor hatte ein Bericht über die Folgen der DSGVO für kleinere Online-Spiele beschrieben, wie stark rechtliche Vorgaben die Produktion und den Betrieb digitaler Spiele beeinflussen können.
Kerbal Space Program entfernt Red Shell
Take-Two erklärte in der offiziellen Stellungnahme zu Kerbal Space Program, Red Shell sei in Version 1.4 eingeführt und nach Rückmeldungen der Community mit Version 1.4.4 entfernt worden. Das Unternehmen wies Red Shell außerdem an, die bis dahin für das Spiel erhobenen Daten zu löschen. Selbst ältere Installationen sollten nach der Entfernung keine Daten mehr an die Server des Dienstes senden.
Die Reaktion zeigte den Konflikt zwischen Marketingmessung und transparenter Datenerhebung in Spielen. Für Entwickler blieb die technische Frage bestehen, wie Kampagnen ausgewertet werden können, ohne Analysekomponenten unklar oder ohne verständliche Opt-out-Möglichkeit in ausgelieferten Builds zu verstecken.

