Der chinesische Spielemarkt war für Nintendo im Frühjahr 2019 kein Selbstläufer. Präsident Shuntaro Furukawa warnte nach der Veröffentlichung der Geschäftszahlen, dass der Markt dort vor allem von mobilen Spielen und PC-Titeln geprägt wird. Die Aussage zur begrenzten Größe des Marktes für dedizierte Spielplattformen dämpfte die Erwartungen an einen schnellen Erfolg der Nintendo Switch in China.
Vorausgegangen war die offizielle Ankündigung der Zusammenarbeit zwischen Nintendo und Tencent vom 26. April 2019. Beide Unternehmen wollten die Nintendo Switch gemeinsam in Festlandchina auf den Markt bringen. Für Nintendo war Tencent damit der Zugang zu einem Markt, in dem frühere Hardwareangebote unter der Marke iQue keine große Reichweite erzielt hatten.
Nintendo rechnet nicht mit einem schnellen Umsatzbeitrag
Furukawa stellte klar, dass Nintendo die chinesischen Switch-Verkäufe zunächst nicht in die Prognose für das Geschäftsjahr bis März 2020 einbezogen hatte. Selbst bei einer Aufnahme in die Planung hätte das Unternehmen keinen wesentlichen Einfluss auf das Gesamtergebnis erwartet. Ein konkreter Starttermin für die Konsole in China stand zu diesem Zeitpunkt ebenfalls noch nicht fest.
Die Geschäftszahlen für das bis zum 31. März 2019 laufende Jahr zeigten zugleich, auf welcher Basis Nintendo in die Expansion ging. Die Nintendo Switch hatte sich in den etablierten Märkten stark entwickelt. Nintendo meldete weltweit 16,95 Millionen verkaufte Konsolen und 118,55 Millionen verkaufte Spiele. Der chinesische Markt sollte deshalb nicht kurzfristig die Bilanz tragen, sondern als zusätzlicher Vertriebsweg über mehrere Jahre aufgebaut werden.
Mobile und PC als Maßstab für Entwickler
Für Entwickler und Publisher bedeutete diese Ausgangslage, dass ein Konsolenstart in China nicht einfach mit der Übertragung westlicher Absatzmodelle gleichzusetzen war. Mobile Spiele und PC-Angebote bestimmten die Nutzungsgewohnheiten und die Vertriebslogik. Ein Plattformanbieter musste daher nicht nur Hardware verfügbar machen, sondern auch lokale Vermarktung, passende Inhalte und die regulatorischen Anforderungen des Landes berücksichtigen.
Nintendo beschrieb den Markteintritt entsprechend als langfristiges Vorhaben. Die Partnerschaft mit Tencent sollte die lokale Distribution erleichtern, änderte aber nichts daran, dass sich dedizierte Spielsysteme gegen ein bereits etabliertes mobiles und PC-geprägtes Angebot behaupten mussten. Für die Branche war das ein Beispiel dafür, wie stark regionale Plattformstrukturen die Chancen internationaler Konsolen bestimmen.
