Die EU-Kommission hat die Europäische Bürgerinitiative (EBI) „Stop Killing The Internet: Keine digitale ID & keine Altersüberprüfung“ offiziell registriert. Die Organisatoren und ein breites Bündnis aus Bürgerrechts- und Digitalorganisationen fordern darin verbindliche EU-Rechtsvorschriften, die sicherstellen, dass sämtliche Systeme zur digitalen Identifizierung und Altersverifikation beim Zugang zu Online-Diensten freiwillig, datenschutzfreundlich und diskriminierungsfrei bleiben.
Hinter der Kampagne steht ein internationales Bündnis aus Zivilgesellschaft und Datenschutzaktivisten. Zu den Unterstützern und Partnern gehören die Electronic Frontier Foundation (EFF), die Open Rights Group, Big Brother Watch und die Piratenpartei. Die Initiatoren kritisieren, dass der Schutz von Kindern vorgeschoben werde, um tiefgreifende Überwachungsstrukturen und Zugangssperren für Plattformen wie YouTube, Twitch, Reddit oder Discord durchzusetzen. Gerade Twitch und Discord sind für die Spielecommunity zentrale Kommunikations- und Streaming-Oberflächen, eine identifying Pflicht am Zugang würde Millionen Gamer direkt treffen.
Kritik an Ausweispflicht und Datenrisiken
Das Bündnis hebt hervor, dass eine Pflicht zum Vorweisen von Ausweisdokumenten im Netz große Sicherheitsrisiken und Einfallstore für Cyberkriminelle schaffe. Als warnendes Beispiel führen die Initiatoren Datenlecks bei Drittanbietern von Discord an, bei denen zehntausende Ausweisbilder entwendet wurden. Bereits Anfang 2026 hatte Discord seine Altersprüfung auf weitere Länder ausgeweitet, was die Frage nach sicheren Verfahren erneut auf die Agenda gesetzt hat. Grundrechte und Anonymität im Internet dürften nicht für vermeintliche Sicherheit geopfert werden, so die Initiative.
Forderungen an die EU-Kommission
Konkret verlangt die Initiative von der EU-Kommission Gesetzesentwürfe, die die Pflicht zur Identifizierung auf das absolut Notwendige beschränken. Zum Nachweis des Alters sollten allenfalls anonyme oder pseudonyme Verfahren auf Basis datenschutzfreundlicher Kryptografie zugelassen werden. Ferner fordert das Bündnis ein Verbot von plattformübergreifendem Nutzer-Tracking, die Durchsetzung von Datensparsamkeit sowie den Einsatz von Open Source und unabhängig geprüften Protokollen. Bürger, die keine digitale Brieftasche nutzen wollten, müssten gleichwertige Alternativen erhalten.
Der Start der EBI fällt mit der Debatte über die EUDI-Wallet und Pilotprojekte der Kommission für Altersverifikations-Apps zusammen. Für Entwickler und Publisher bedeutet eine verpflichtende eID-Pflicht zusätzliche technische Auflagen am Zugang zu Online-Spielen und Spieler-Communitys, weshalb die Initiative auch aus Dev-Perspektive Aufmerksamkeit verdient. Im Kontext der laufenden EU-Konsultation zum Digital Fairness Act, in die bereits die USK ihre Expertise zu Alterskennzeichnungen eingebracht hat, berührt die Forderung eine ohnehin laufende Regulierungsdiskussion.
Anschluss an die Schwesterkampagne Stop Killing Games
Die Initiative schließt an frühere netzkulturelle Protestwellen wie ihre Schwesterkampagne „Stop Killing Games“ an. Diese macht sich für den Erhalt von Online-Spielen stark und hatte bei der EU-Kommission trotz knapp 1,3 Millionen Unterschriften zunächst weitgehend abgeblitzt, weil die Behörde auf freiwillige Gespräche statt auf neue Gesetzgebung setzte. „Stop Killing The Internet“ greift diese Erfahrung auf und richtet sich gegen die digitale Zugangskontrolle, die auch die Verfügbarkeit und Nutzbarkeit von Online-Spielen berührt.
Für einen Erfolg müssen die Organisatoren innerhalb von zwölf Monaten mindestens eine Million gültige Unterschriften aus mindestens sieben EU-Staaten sammeln, wofür sechs Monate Zeit bleiben. Ob die Kommission nach erfolgreichem Quorum wie schon bei der Spiele-Kampagne auf Gespräche verweist oder tatsächlich Gesetzesentwürfe vorlegt, ist offen.